Quartalsbericht: Ostschweizer Wirtschaftsentwicklung weiterhin robust

Die Ostschweizer Konjunktur zeigt sich weiter robust, auch wenn sie nicht mehr die gleiche Dynamik hat wie im Frühjahr 2021. 

Trotz Lieferschwierigkeiten, steigenden Preisen und dem erneuten Aufflammen der Pandemie ist die Stimmung in der Ostschweizer Wirtschaft nach wie vor überdurchschnittlich gut. Grund für den Optimismus ist die weiterhin hohe Nachfrage und die entsprechend gut gefüllten Auftragsbücher. Die Geschäftslage wird deshalb von den Ostschweizer Unternehmen nach wie vor als ausserordentlich gut bewertet.

Lieferketten nach wie vor unter Druck

Die Lieferketten können mit der starken Nachfrage nach wie vor nicht Schritt halten. Bis die entsprechenden Transportkapazitäten ausgebaut sind, dürfte es noch einige Zeit dauern. Entsprechend dürften die angebotsseitigen Engpässe auch weiterhin zu angespannten Lieferketten führen. Die Lieferengpässe belasten die Ostschweizer Wirtschaft daher aber nach wie vor stark. So waren beispielsweise rund 70% der Ostschweizer Industrieunternehmen von einem Mangel an Rohstoffe oder Vorprodukten betroffen. Die Probleme bei den Lieferketten führt auch bei den Ostschweizer Unternehmen zunehmend zu einem Umdenken. Lageraufbau und der Ausbau der Lieferketten nehmen eine wichtige Rolle ein und stützen die Nachfrage zusätzlich.

Qualifiziertes Personal ist weiterhin schwierig zu finden

Die gute wirtschaftliche Lage führt dazu, dass viele Unternehmen händeringend nach geeignetem Personal suchen. Besonders ausgeprägt ist der Fach- und Arbeitskräftemangel nach wie vor im Baugewerbe und der Industrie. Aber auch andere Branchen, wie etwa der Grosshandel, bekunden zurzeit Schwierigkeiten Personal zu rekrutieren. Die meisten Branchen gehen allerdings davon aus, dass sie in den nächsten drei Monaten Personal aufbauen können. Einzig der Bau rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Personalsituation. Ein Grund für die zurzeit angespannte Personalsituation ist unter anderem, dass sich in der Pandemie viele Arbeitnehmenden weitergebildet oder selbstständig gemacht haben. Die Zahl der Firmengründungen in der Schweiz ist 2021 deutlich angestiegen. Gleichzeitig sind die Unternehmenskonkurse während der Pandemie zurückgegangen. Dies führt dazu, dass mehr Unternehmen um die verbleibenden Arbeitnehmenden kämpfen. Ausserdem besteht in gewissen Branchen wie etwa im Bau seit Jahren ein struktureller Arbeitskräftemangel. Dieser hat sich in der Pandemie zusätzlich akzentuiert. In letzter Zeit haben zudem Personalausfälle aufgrund von Corona die Unternehmen zusätzlich belastet. Die Aufhebung der Quarantänepflicht dürfte zumindest zu einer gewissen Entspannung bei der Personalsituation führen, da vorhandenes Personal weniger oft ausfallen wird.

Erste Entspannungen bei den Preisen

Aufgrund der Lieferengpässe und der Rohstoffknappheit verzeichneten in den letzten Monaten diverse Branchen Preissteigerungen. Für das aktuelle Quartal erwarten einzelne Branchen bereits eine Entspannung bei den Preissteigerungen. So geht etwa das Baugewerbe von konstanten Preisen aus. Allerdings erwartet die Mehrheit der Branchen weitere Preissteigerungen. Dazu gehört etwa die Industrie oder der Detailhandel. Dabei fällt auf, dass immer mehr Unternehmen diese Preissteigerungen über höhere Verkaufspreise an ihre Kundschaft weitergeben. Die gestiegenen Einkaufspreise für Rohstoffe und Vorprodukte dürften sich daher mit einer gewissen Verzögerung in den Konsumentenpreisen widerspiegeln. Bei den Produktions- und Importpreisen machen sich die gestiegenen Einkaufspreise bereits bemerkbar, denn diese sind im Dezember 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5.1% angestiegen. Zum Anstieg haben die Importpreise mit einem Plus von 9.2% deutlich stärker beigetragen als die um 3.1% gestiegenen Produzentenpreise. Die Konsumentenpreise sind in diesem Zeitraum mit einem Anstieg von 1.5% vergleichsweise wenig angestiegen.

Gute Aussichten für die Ostschweizer Wirtschaft

Erfreulich ist, dass alle Branchen positiv in die Zukunft blicken und mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage rechnen. Besonderen Grund für Optimismus haben Branchen, welche stark unter den pandemiebedingten Einschränkungen gelitten haben. Denn die erwartete Entspannung der epidemiologischen Lage dürfte die Konsumfreude erneut ankurbeln. So dürfte beispielsweise die Aufhebung gesundheitspolitischer Schutzmassnahmen, wie etwa der Masken- oder Zertifikatspflicht betroffenen Branchen neuen Aufwind verleihen. Auch bei Branchen, die bereits eine starke Erholung durchlebt haben, wie etwa der Industrie, deuten die gut gefüllten Auftragsbücher auf eine weiterhin stabile Entwicklung hin, wenn auch das Tempo der Erholung nicht an das vom Vorjahr anknüpfen wird. Die Nachfrage aus dem Ausland sowie die Investitionen dürften ebenfalls wieder anziehen und der Ostschweizer Wirtschaft zusätzlichen Schwung verleihen.

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Das Konjunkturboard ist ein Fachgremium von versierten und erfahrenen Ostschweizer Ökonomen. Quartalsweise wird die konjunkturelle Entwicklung in der Kernregion Ostschweiz vertieft analysiert und eine Einschätzung zur aktuellen Verfassung der Ostschweizer Wirtschaft entwickelt.

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