01. Februar 2024, Tägliche Marktsicht

Julius Baer wechselt CEO aus

Heute stehen die Zahlenvorlagen von Roche, ABB, Julius Baer, Qualcomm und Shell im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.96%, SPI: -0.64%, SMIM: -0.50%

Der Schweizer Aktienmarkt eröffnete gestern mit leichten Kursverlusten, die er im Tagesverlauf dann noch deutlich ausbaute. Unter anderem belastet durch das schwache Abschneiden des Schwergewichts Novartis gab der SMI schliesslich 1.0% nach. Grundsätzlich blieben die Anleger nach durchzogenen Unternehmensberichten der grossen US-Techkonzerne und vor dem abendlichen Zinsentscheid der US-Notenbank vorsichtig gestimmt. Im Leitindex standen nach der gestrigen Zahlenvorlage die Aktien von Novartis im Fokus. Nachdem der Pharmakonzern zuletzt dreimal besser als die Erwartungen abgeschnitten hatte, blieben die gestern vorgelegten 4. Quartalszahlen leicht unter den Erwartungen. Dies führte bei der zuletzt gut gelaufenen Aktie zu Gewinnmitnahmen und einem Tagesminus von 3.5%. Ansonsten standen mit Richemont (-1.7%), Geberit (-1.3%), ABB (-1.7%), Lonza (-1.8%) und Holcim (-2.5%) vor allem Zykliker auf den Verkaufsaufträgen. Zu den wenigen Gewinnern gehörten neben den Versicherungswerten Zurich Insurance und Swiss Life (jeweils +0.2%) auch Sika (+0.1%), Swisscom (+0.1%) und Roche (+0.2%). Im breiten Markt avancierten die Aktien von Sandoz um 2.7%, nachdem der Generikahersteller die Lancierung eines Nachahmerprodukts für Multiple Sklerose auf dem deutschen Markt ankündigte. Andere Gesundheitswerte wie Siegfried (-1.8%) oder Straumann (-2.3%) gehörten hingegen gestern zu den Verlierern. Die DKSH-Aktien (+1.3%) knüpften an den positiven Vortag an und profitierten einen Tag der Ratingaufstufung durch einen Broker von Anschlusskäufen. 

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.31%, DAX: -0.40%

An den meisten europäischen Aktienmärkte blieben die Anleger gestern zurückhalten gestimmt. Wenig Einfluss auf das Börsengeschehen hatte die Veröffentlichung der deutschen Inflationszahlen, die im Januar deutlich tiefer ausfielen als erwartet und auf den niedrigsten Wert seit Juni 2021 zurückglitten. Der EuroStoxx bewegte sich während dem Handel nur unweit vom Eröffnungskurs, fiel aber zum Schluss noch deutlicher in die Verlustzone und schloss 0.3% tiefer. Der DAX verlor 0.4%. Entgegen dem Trend gefragt waren der spanischen IBEX 35 und der italienische FTSE MIB, die jeweils 0.4% höher schlossen. Getragen wurden die Kursgewinne an den südeuropäischen Handelsplätzen unter anderem von starken Versorgerwerten, die gestern zusammen mit Immobilien und Gesundheit zu den gefragteren Sektoren gehörten. Unter Druck standen hingegen Aktien aus den zyklischen Bereichen Energie, Industrie und IT.

Aktienmärkte USA

DowJones: -0.82% S&P500: -1.61%, Nasdaq: -2.23%

Die amerikanischen Aktienmärkte mussten gestern deutlich Federn lassen. Nach der abendlichen Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen unverändert zu halten, dämpfte Fed-Chef Powell die Hoffnungen auf einen baldigen Zinsschritt. Zusätzlich belastet wurden die Kurse von Unternehmensberichten aus dem Tech-Sektor, welche die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten. Der DowJones gab 0.8% nach. Deutlich stärker fiel das Minus beim S&P500 (-1.6%) und beim technologielastigen Nasdaq (-2.2%) aus. Im Fokus standen unter anderem die Aktien von Microsoft. Der Quartalsbericht des Technologieunternehmens konnte die Erwartungen wegen Investitionen in das Cloud-Geschäft und Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme von Activision Blizzard nicht ganz erfüllen, worauf die Aktie 2.7% nachgab. Deutlich stärkere Abgaben verzeichneten die Aktien des Google-Mutterhauses Alphabet, die nach einem schwächer als erwartet ausgefallenem Quartalsergebnis um 7.5% zurückfielen. Die AMD-Aktien verloren 2.5%, nachdem der Chiphersteller mit seinem Ausblick enttäuschte.

Unternehmensberichte

Roche musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 einen Umsatzrückgang von 7% auf CHF 58.7 Mrd. hinnehmen. Bereinigt um einen stark negativen Währungseinfluss erreichte der Pharmakonzern ein knappes Plus von 1%. Damit konnte der Konzern die eigene Umsatzprognose übertreffen, die von einem Minus im niedrigen, einstelligen Bereich ausgegangen war. Gebremst wurde Roche im letzten Jahr von wegfallenden Erträgen aus dem Covid-Geschäft und abnehmenden Umsätzen bei Krebsmedikamenten, welche von günstigen Nachahmerprodukten konkurriert werden. Der operative Kernertrag verringerte sich währungsbereinigt um 1% aus CHF 19.2 Mrd. Unter dem Strich verblieb dem Konzern ein um 7% höherer Reingewinn von CHF 12.4 Mrd. Der GV wird eine Dividende von CHF 9.60 pro Aktie vorgeschlagen, 10 Rappen höher als im Vorjahr. Mit Blick auf 2024 rechnet das Management mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, während der Gewinn in gleichem Ausmass steigen soll. Das Zahlenset erfüllt die Erwartungen beim Umsatz, verfehlt sie hingegen beim Kerngewinn.

ABB steigerte den Umsatz im 4. Quartal 2023 um 5% auf USD 8.24 Mrd. Währungsbereinigt entspricht dies einem Plus von 6%. Der Auftragseingang stagnierte im Vergleich zum Vorjahr bei USD 7.65 Mrd. Der operative Gewinn auf Stufe EBITA erhöhte sich währungsbereinigt um 13% auf CHF 1.33 Mrd. Damit verbesserte sich die Marge im Jahresvergleich um 150 Basispunkte auf 16.3%. Auf Gesamtjahressicht konnte ABB die Marge um 160 Basispunkte auf 16.9% erhöhen. Unter dem Strich verblieb dem Konzern im 4. Quartal ein Reingewinn von USD 946 Mio., 19% unter dem Vorjahr. Der Rückgang war vor allem Sondereffekten geschuldet. Im laufendenden 1. Quartal 2024 rechnet ABB mit einen währungsbereinigten Umsatzwachstum im tiefen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und einem stabilen EBITA. Für das Gesamtjahr 2024 geht das Management von einem Umsatzwachstum von etwa 5% und einer leicht höheren Marge als im letzten Jahr aus. Das Zahlenset erfüllt die Erwartungen bei der operativen Entwicklung und übertrifft sie bei Auftragseingang und Umsatz.

Wie bereits gestern Nachmittag spekuliert worden war, kündigte Julius Baer heute Morgen den sofortigen Rücktritt von CEO Philipp Rickenbacher an. Er übernimmt damit die Verantwortung für das Signa-Debakel. Ersetzt wird Rickenbacher interimistisch vom bisherigen Stellvertreter und Chief Operating Officer Nic Dreckmann, während nach einer Nachfolgelösung gesucht wird. Die Privatbank muss sämtliche Kredite über CHF 606 Mio., die man an die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko vergeben hatte, vollständig abschreiben. Julius Baer will sich nun komplett aus dem Private Debt-Geschäft zurückziehen und sich im Kreditgeschäft auf die Lombard- und Hypothekarbereiche fokussieren. Zudem wird der Risikovertreter im Verwaltungsrat, David Nicol, nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Der Konzerngewinn von Julius Baer halbiert sich wegen der Belastung durch den Signa-Abschreiber auf CHF 454. Der Vorsteuergewinn verringerte sich im letzten Jahr um 7% auf CHF 1.12 Mrd., während der bereinigte Nettogewinn ohne den Signa-Abschreiber um 10% auf CHF 947 Mio. zurückglitt. Die verwalteten Vermögen beliefen sich Ende 2023 auf CHF 427 Mrd., nach CHF 435 Mrd. per Ende Oktober. Insgesamt konnte die Privatbank 2023 Neugelder über CHF 12.5 Mrd. anziehen, was einem Wachstum von 2.9% entspricht. Dies lag minimal unter der Zielsetzung von 3%. Trotz des hohen Jahresverlusts wird die Dividende unverändert bei CHF 2.60 belassen. Das Zahlenset bleibt deutlich unter den Erwartungen der Analysten.

Qualcomm präsentierte gestern nachbörslich die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsquartal. Der Chiphersteller steigerte den Umsatz im 4. Quartal um 5% auf USD 9.9 Mrd. Der Gewinn verbesserte sich um 24% auf USD 2.77 Mrd. Damit übertrifft der untere anderem auf Mobilfunkchips spezialisierte Konzern die eigene Zielsetzung. Im laufenden Quartal rechnet Qualcomm mit einem Umsatz zwischen USD 8.9 und 9.7 Mrd. Dies deckt sich mit den Analystenerwartungen. Die Aktie verlor nachbörslich rund 1%.

Shell erreichte im 4. Quartal 2023 einen Reingewinn von USD 7.3 Mrd., der deutlich höher ausfiel als die Erwartungen der Analysten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als der Gewinn bei USD 9.8 Mrd. gelegen hatte, wurde Shell vor allem von tiefen Öl- und Gaspreisen gebremst. Nachdem das Aktienrückkaufprogramm über USD 3.5 Mrd. aus dem 3. Quartal 2023 abgeschlossen ist, kündigte Shell ein neues Rückkaufprogramm über USD 3.5 Mrd. an, das im laufenden Quartal umgesetzt werden soll.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 3.944%; DE: 2.163%; CH: 0.771%

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Treasury sank gestern wieder unter die 4%-Marke. Im Januar wurden in der US-Privatwirtschaft weniger Stellen geschaffen als erwartet. Dies hat auf die Renditen gedrückt, da mit einer Abschwächung des Arbeitsmarktes die Wahrscheinlichkeit für baldige Zinssenkungen steigt. Andererseits haben die Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell im Anschluss an den Zinsentscheid den Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen einen Dämpfer versetzt.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8642
Euro in US-Dollar: 1.0795
Euro in Franken: 0.9327

Der US-Dollar konnte gestern im Anschluss an den Zinsentscheid der US-Notenbank zulegen. Die US-Notenbank hat die Erwartungen auf rasche Zinssenkungen gedämpft. Die Aussichten, dass die Zinsen in den USA länger als bisher vom Markt erwartet auf dem aktuellen Niveau verbleiben werden, haben den Greenback gestützt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 75.88 pro Fass
Goldpreis: USD 2'043.60 pro Unze

Der Ölpreis hat am Mittwoch deutlich nachgelassen. Die Rohölbestände in den USA sind in der vergangenen Woche gestiegen. Der überraschende Anstieg der Rohölbestände hat die Sorge vor einer nachlassenden Nachfrage wieder in den Vordergrund gerückt. Zuletzt hatten die Spannungen im Nahen Osten den Ölpreis nach oben getrieben.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Leitzinsentscheid – US-Notenbank (31. Januar)
letzte: 5.25 – 5.5%; erwartet: 5.25 – 5.5%; aktuell: 5.25 -5.5%

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen zum vierten Mal in Serie auf dem aktuellen Niveau belassen. Erstmals hat die US-Notenbank die Möglichkeit die Zinsen erneut zu erhöhen nicht mehr explizit erwähnt. Die US-Notenbank bekräftigte aber erneut, dass die Inflation weiter sinken müsse, bevor sie die Zinsen senken werde. Sie will zuerst mehr Vertrauen gewinnen, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewegt. Gemäss Powell sei es unwahrscheinlich, dass man bis zum nächsten Zinsentscheid im März genügend Vertrauen habe, dass der Rückgang der Inflation nachhaltig sei, um die Zinsen zu senken.

Deutschland: Konsumentenpreise (Januar, YoY)
letzter: 3.7%; erwartet: 3.0%; aktuell: 2.9%

Die Teuerung in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn deutlich verlangsamt. Gemäss einer ersten Schätzung beträgt die Inflation im Januar noch 2.9% nach 3.7% im Dezember. Damit fällt die Inflation in Deutschland auf den tiefsten Stand seit Juni 2021. Zum Rückgang beigetragen haben unter anderem die Energiepreise (-2.8%). Die Kernrate ohne die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel sinkt dagegen langsamer und notiert aktuell bei 3.4% nach 3.5% im Vormonat.

 

Matthias Müller

Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Céline Koster

Strategieanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich