Wer fällt in die Vorsorgelücke?

Mehr als ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeitet Teilzeit. Dies ist zwar für die Aufteilung der Familienaufgaben förderlich, geht aber auf Kosten des Haushaltseinkommens. Insbesondere die Vorsorgesituation lässt oft zu wünschen übrig. Wer sich nicht früh und konkret darum kümmert, muss mit einschneidenden Deckungslücken rechnen.

Es gibt kaum ein europäisches Land, in dem Teilzeitarbeit so weit verbreitet ist wie in der Schweiz. Zurzeit gehen 60 Prozent der erwerbstätigen Frauen und 16 Prozent der erwerbstätigen Männer einer Teilzeitarbeit nach. Die Entscheidung, dank Teilzeitarbeit Erwerbstätigkeit mit Familien- und Haushaltsarbeit zu vereinbaren, hat jedoch Konsequenzen auf die finanzielle Lage vor und nach der Pensionierung, denn das Schweizer Altersvorsorgesystem hat ein gutes Gedächtnis.

Vorsorgesystem vergisst nichts

Dies zeigt eine neue Studie, die von der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) in Auftrag gegeben wurde. Die Studie empfiehlt Frauen und Männern, während ihrer ganzen beruflichen Laufbahn das Minimum von durchschnittlich 70 Prozent Erwerbstätigkeit nicht zu unterschreiten. Um dereinst eine volle AHV-Rente zu bekommen (aktuell sind dies 2350 Franken im Monat), benötigt man einen durchschnittlichen Jahresverdienst von 84 600 Franken und darf keine Beitragslücken haben. Das schaffen jedoch nur die wenigsten Teilzeitarbeitenden. Angestellte mit kleinen Pensen und entsprechend tiefem Lohn erhalten nur die Minimalrente von aktuell 1175 Franken.

Viele Teilzeitjobs unter BVG-Pflicht

Und auch die zweite Säule, die Pensionskasse, geht oft vergessen, wenn es um Teilzeitarbeit geht: Teilzeitler müssen mindestens 21 150 Franken im Jahr verdienen, damit sie BVG-pflichtig sind und der Arbeitgeber verpflichtet ist, sie in der Pensionskasse zu versichern. Dann erst müssen Arbeitgeber und Versicherte Beiträge für die zweite Säule leisten. Wer weniger verdient, ist somit in der zweiten Säule in der Regel nicht versichert, was dazu führt, dass auch die Vorsorgesituation entsprechend unbefriedigend ist. «Es ist daher sinnvoll, dass auch Teilzeitarbeitende ihre Vorsorgesituation genau unter die Lupe nehmen», erklärt Marcel Balzli, Teamleiter Finanzplanung und Vorsorge der St.Galler Kantonalbank.

Verschiedene Arbeitgeber gleichzeitig?

Auch wer mehrere Teilzeitjobs gleichzeitig hat, ist unter Umständen nicht in der Pensionskasse versichert, wenn er sich nicht selbst aktiv darum bemüht. Angenommen, jemand verdient bei drei verschiedenen Arbeitgebern je 20 000 Franken. Im schlimmsten Fall ist er bei allen drei Arbeitgebern nicht versichert, da er unter der Schwelle von 21 150 Franken ist. «Der Arbeitnehmer kann jedoch den Gesamtlohn aller Teilzeitjobs zusammenrechnen und in Koordination mit den drei Arbeitgebern versichern lassen – dies wäre in diesem Fall die sinnvollste Lösung», so Marcel Balzli. Falls dies nicht möglich ist, kann man sich an die Auffangeinrichtung wenden (www.chaeis.net). In der Praxis wird die Vorsorge meistens vernachlässigt, was langfristig eine markante Leistungslücke in der Altersvorsorge zur Folge haben kann.