Nachgefragt

Professor Dr. Martin Eling ist ausgewiesener Experte des Versicherungswesens. Er doziert an der Universität St. Gallen am Lehrstuhl für Versicherungsmanagement. Eling ist der Meinung, dass sich Versicherungen und Pensionskassen mehr an den Bedürfnissen der Kunden orientieren sollten.

Prof. Dr. Martin Eling, das Zusammenleben ohne Trauschein wird in der Schweiz immer beliebter. Hat sich das Versicherungssystem in der Schweiz auf diesen gesellschaftlichen Wandel eingestellt oder hinken Pensionskassen und die Sozialversicherungssysteme der gesellschaftlichen Realität hinten nach?e Sozialversicherungssysteme der gesellschaftlichen Realität hinten nach?

Sicherlich ist es so, dass unsere Vorsorgesysteme sich den neuen Lebensrealitäten noch ein Stück weit anpassen müssen. Hier ist bislang noch nicht viel passiert. Im obligatorischen Bereich der Vorsorge bewegen die Vorsorgewerke sich sehr stark im vorgegebenen Korsett des Gesetzgebers. Der überobligatorische Bereich bietet hingegen mehr Flexibilität und Freiräume.

Konkubinatspaare werden bezüglich Vorsorge gegenüber Ehepaaren benachteiligt. Die Modernisierung des Familienrechts wird aktuell im Parlament diskutiert. Inwiefern steht auch die Versicherungswirtschaft selbst in der Pflicht, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen?

Die Versicherungswirtschaft folgt in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen primär den Vorgaben und Spielregeln des Gesetzgebers. Allerdings können zusätzliche Angebote auf freiwilliger Basis ein interessantes Instrument sein, um sich von den Mitbewerbern zu differenzieren. Insofern kann dies auch für die Versicherer selbst attraktiv sein, hier mehr anzubieten, um auf individuelle Kundenwünsche und Bedürfnisse einzugehen.

Was ist Ihre persönliche Meinung bezüglich Modernisierung des Familienrechts?

Ich würde eine Modernisierung des Familienrechts sehr begrüssen. Eine solche Modernisierung ist meiner Meinung nach ohnehin geboten, da sich die Arbeitswelt im Kontext der Digitalisierung derzeit stark verändert. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexiblere Arbeitsmodelle, wechselnde Arbeitsverhältnisse (verschiedene Arbeitgeber, auch im In- und Ausland) sind allesamt Themen, die im traditionellen Vorsorgemodell nicht gut abgebildet sind. Eine Reform tut not.