Die moderne Familie: Zwischen Organisationschaos und Vorsorgefalle?

Eltern kennen den täglichen Kampf, den Alltag mit Kindern zu meistern und das Haushaltseinkommen zu sichern. Das moderne Familienleben ist komplexer geworden, die Ansprüche der Eltern selbst sind gewachsen: Kinder und Karriere sollen sich nicht mehr gegenseitig ausschliessen. Doch wenn Frauen und Männer vermehrt auf Teilzeitarbeit setzen, können schnell Lücken in der Vorsorge entstehen.

In der Schweiz versucht täglich mehr als eine Million Angestellte, Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Gerade mit Kindern wird die Organisation des Alltags oft zum Kraftakt. Die Kinder erfahren beim Zmorgen, wie und was am Tag läuft: Wer bringt sie in die Schule, welcher Nachbar holt sie zum Sport ab und wann die Oma am Abend kommt, weil wieder beide Eltern eine dringende Verpflichtung haben (oder endlich wieder mal zusammen ins Kino wollen). Kinder und Karriere – das ist zwar modern, aber führt bei vielen Paaren in die unausweichliche Organisationskatastrophe.

Für zahlreiche Eltern ist dieser Alltag Normalität, wie Susanne Garsoffsky und Britta Sembach in ihrem kürzlich erschienenen Buch «Die Alles ist möglich-Lüge» erzählen. Im Zentrum steht die provokative These, dass sich Beruf und Familie eben gar nicht vereinbaren lassen. Die Autorinnen stellen mitunter die Frage, was denn eigentlich eine moderne Familie ausmacht: «Ist es modern, wenn man nach getaner Arbeit, nach Abwasch und Abendbrot vor Erschöpfung kaum noch seinen Namen sagen kann? Wenn man schon ewig nicht mehr im Kino war und der Freundeskreis sich auf ein paar Kollegen und alte Kumpel reduziert hat? Wenn sich am Morgen alle vor dem Familienkalender versammeln, um den jeweiligen Tagesbefehl in Empfang zu nehmen?»

Trauen sich Männer nicht?

Keine Frage, das moderne Familienleben ist komplexer geworden. Das klassische Modell, bei dem der Mann das Geld verdient und die Frau mit den Kindern zu Hause bleibt, zerbröselt immer mehr. Männer beteiligen sich heute mit wachsendem Selbstverständnis an der Familienarbeit. Und doch schaffen es nur die wenigsten, ihren Vollzeit-Job zugunsten der Familie zu reduzieren, wie Lu Decurtins, Fachmann für Geschlechterfragen, gegenüber einer Tageszeitung erklärte: «Sobald ein Kind auf der Welt ist, rutschen viele Familien wieder in das alte Rollenbild. In der neuen und herausfordernden Situation greift man auf das scheinbar Bewährte zurück. Zusätzlich erschwerend sind die beruflichen Hürden. Viele Männer trauen sich nicht, dem Chef zu sagen, dass sie ihr Pensum für die Familie reduzieren wollen. Sie haben Angst, abgewertet zu werden oder sogar die Kündigung zu bekommen. Oft gestehen sie nicht einmal ihren Kollegen, dass sie das Pensum gern reduzieren würden. Dabei geht es anderen Vätern gleich.»

Familienfreundliche KMU auf dem Vormarsch

Auch die Politik hat erkannt, wie wichtig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Mit Hilfe von Sensibilisierungskampagnen will zum Beispiel der Bund eine stärkere Verbreitung von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen erreichen. Schon heute leisten die KMU einen beeindruckenden Beitrag. Mittlerweile haben die Unternehmer erkannt, dass sie mit dieser Strategie qualifizierte Arbeitskräfte gewinnen und langfristig halten können. Aber die Vorteile können noch weiter gehen: Der grössere Spielraum für die Organisation der Familie bringt höhere Motivation und Leistungsbereitschaft mit sich – was letztlich zu einer erhöhten Produktivität führt.

Was bedeutet das für die Vorsorge?

Doch noch ist es nicht überall so: Starre Arbeitszeiten, fehlende Zeitautonomie und fixe Arbeitsorte erschweren vielen Mitarbeitenden mit Betreuungspflichten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Flexible Arbeitszeiten gehören deshalb zu den wirkungsvollsten Massnahmen, die Arbeitgebende ihren Angestellten anbieten können. Sie ermöglichen es Mitarbeitenden, ihre Kinder stressfrei in die familienergänzende Betreuung zu bringen oder von dort abzuholen, ausgefallene Schulstunden aufzufangen oder Besprechungstermine mit Pflegeinstitutionen einzuhalten. Doch was passiert mit der Vorsorge, wenn über längere Zeit nur noch Teilzeit gearbeitet wird? Reicht das Vorsorgekapital im vielleicht noch fernen Rentenalter dann tatsächlich aus? Und wie schliesst man Lücken in der Vorsorge, die sich über Jahre entwickelt haben? Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Vorsorge-Spezial der St.Galler Kantonalbank.