Vorsorgelücken aufdecken lohnt sich

Im Interview gibt Edgar Herzog, Teamleiter Privatkunden bei der St.Galler Kantonalbank, wertvolle Tipps, wie Sie allfällige Vorsorgelücken in Ihrer Pensionskasse erkennen und wirksam schliessen können.

Herr Herzog, wofür ist die Pensionskasse eigentlich da?

Die berufliche Vorsorge ist seit 1985 obligatorisch und gilt als zweite Säule des Schweizer Sozialsystems. Als sogenannte Pensionskasse soll sie dazu beitragen, auch nach der Pensionierung den bisherigen Lebensstandard möglichst weitgehend aufrechtzuerhalten. Die Pensionskasse versichert die Risiken Tod, Invalidität und Alter. Versichert sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bei der AHV versichert sind und einen Jahreslohn von mehr als 21'150 Franken erhalten. Ziel der 2. Säule ist es, dass zusammen mit der ersten Säule (= AHV) ein Renteneinkommen von rund 60 Prozent des letzten Lohns erreicht werden soll.

Was passiert, wenn ich Vorsorgelücken in der 2. Säule habe?

Solange keine Risikosituation eintritt, passiert noch nichts. Im Risikofall – das heisst: Alter, Tod oder Invalidität, kann es sein, dass die ausbezahlten Leistungen nicht ausreichen, um allen aktuellen Verpflichtungen nachzukommen. So könnte z.B. die Tragbarkeit einer Hypothek im Alter zum Problem werden oder das Renteneinkommen ist zu tief, um den bisherigen Lebensstandard auch nach der Pensionierung beizubehalten.

Wie kann ich herausfinden, ob ich aktuell Beitragslücken in der AHV oder der Pensionskasse habe?

Direkt bei der AHV kann eine Rentenvorausberechnung oder ein individueller Kontoauszug bestellt werden. Das verschafft Ihnen Klarheit. Bei der zweiten Säule ist auf dem Pensionskassenausweis meistens ersichtlich, ob noch Einkaufspotential vorhanden ist – dies deutet auf eine Beitragslücke hin. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, direkt bei der Pensionskasse nachzufragen.

Nach der Mutterschaft möchte ich wieder Teilzeit arbeiten. Wie gehe ich vor, um eine Lücke in meiner Altersvorsorge zu vermeiden?

In diesem Fall ist es für Alleinerziehende wichtig, vor dem Mutterschaftsurlaub die Nichterwerbstätigkeit bei der AHV zu melden. Allenfalls ist es notwendig, sogenannte Nichterwerbstätigenbeiträge zu leisten, damit keine Beitragslücken entstehen. Beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben sollten Arbeitnehmende wenn möglich ein Bruttoeinkommen von mindestens 21'150 Franken anstreben, damit auch die zweite Säule aufgebaut wird. Zusätzlich ist die Äufnung der privaten Vorsorge (Säule 3a/b) empfehlenswert.