Ostschweizer Wirtschaft:
Noch unterdurchschnittlich, aber Welthandel wird helfen

Als stark exportorientierte Wirtschaftsregion können sich die Ostschweizer Unternehmen den Entwicklungen der Weltwirtschaft nicht entziehen und sind auch Teil dieses internationalen Wettbewerbs. Während die Nachfrage aus Asien und Nordamerika stabil ist, spüren die Unternehmen die Konjunkturflaute in den wichtigsten europäischen Märkten. Eine vollständige Erholung der Wirtschaft benötigt noch längere Zeit.

Das Konjunkturboard geht in seinem Basisszenario von wiederholt auftretenden Infektionsherden aus, welche begleitet sind von gesundheitspolizeilichen Einschränkungen und wirtschaftspolitischen Massnahmen sowie einem stetigen Impffortschritt. Klar ist: Den Takt wird das Coronavirus vorgeben. Die Unternehmen in der Kernregion Ostschweiz zeigen sich insgesamt erfreulicherweise robust sowie anpassungsfähig. Die Aussichten für die Ostschweizer Wirtschaft sind damit verhalten positiv. Die Ostschweizer Konjunktur wird im ersten und zweiten Quartal die Talsohle durchschreiten und spätestens im dritten Quartal 2021 von einem Nachholeffekt profitieren.

Die Aussichten sind verhalten

Anders als im März 2020 sind heuer nicht mehr alle Geschäftszweige gleichzeitig und in gleichem Masse von der Krise betroffen. Auch haben sich einige Branchen an die neuen Herausforderungen angepasst. Die Aussichten hängen aber weiterhin von der unberechenbaren Entwicklung der Corona-Pandemie ab, insbesondere vom Impffortschritt. Die Aussichten für die Ostschweizer Konjunktur sind zu Beginn des neuen Jahres verhalten. Eine sich allmählich erholende Weltwirtschaft dürfte sich auf die hiesigen, stark exportorientierten Unternehmen jedoch positiv auswirken. Die Erwartungshaltung wird auch von den Zinsen und der Frankenentwicklung beeinflusst. Beides wirkt stabilisierend, weil die Zinsen tief bleiben und die SNB weiterhin auf den Franken schaut. Dennoch deutet beim Stimmungsbarometer ein Wert unter 100 insgesamt eine eher unterdurchschnittliche wirtschaftliche Entwicklung an.

Druck auf den Arbeitsmarkt steigt

Die coronabedingten Erschwernisse zeigen sich auf breiter Basis in einer tieferen Nachfrage. Das hat Folgen für den Personalbestand. Aktuell beurteilen diesen viele Industrie- und Detailhandelsunternehmen als zu hoch und beabsichtigen, die Anzahl Mitarbeitende zu reduzieren. Im Baugewerbe wird die Arbeitssituation positiver eingestuft. Trotz des über alle Branchen hinweg starken Drucks auf den Arbeitsmarkt ist aktuell nicht unmittelbar mit einer grösseren Kündigungswelle zu rechnen. Demnach rechnen knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen im ersten Quartal 2021 nicht mit wirtschaftlich bedingten Kündigungen – dies nicht zuletzt dank den Regelungen im Bereich der Kurzarbeitsentschädigung. Trotzdem muss auch in der Kernregion Ostschweiz mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenrate gerechnet werden. Da der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator ist, ist es möglich, dass sich die Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt bereits wieder erholt und die Arbeitslosenzahlen in der Folge wieder sinken.

Finanzielle Hemmnisse und Investitionsverhalten

Je länger die Pandemie anhält, desto mehr zeigen sich die direkten wirtschaftlichen Folgen. Liquiditäts- und Finanzierungsengpässe sind mögliche Konsequenzen. Für die Mehrheit der befragten Industrie- sowie Bauunternehmen stellen finanzielle Hemmnisse in der Kernregion aber keine ausgeprägte Erschwernis dar. Hauptgründe dafür sind die staatlichen Unterstützungsmassnahmen wie die Covid-19-Kreditvergabe und Kurzarbeitsentschädigungen. Trotzdem ist in beiden Branchen eine gewisse Zurückhaltung im Investitionsverhalten sichtbar. Mit den tiefen Zinsen und einem einfachen Zugang zu Krediten sind die Rahmenbedingungen für Investitionen gut, aber es braucht bessere Konjunkturaussichten, bevor die Investitionstätigkeit wieder Fahrt aufnimmt. Dafür sind der Impffortschritt und die Weltwirtschaft von grosser Bedeutung.

Ausblick mit hohen Unsicherheiten behaftet

Wann genau wieder ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung einsetzt, ist aufgrund der aktuell von hoher Unsicherheit geprägten Lage schwer abzuschätzen. Trotzdem haben sich die Erwartungen zur Geschäftslage für die nächsten sechs Monaten gerade bei Industrieunternehmen stabilisiert. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Baugewerbe. Ein hoher Auftragsbestand und das nach wie vor tiefe Zinsniveau wirken stabilisierend. Unternehmen im Baugewerbe sehen sich einem intensivierten Preiskampf ausgesetzt. Dieser ist allerdings mehr struktureller als konjunktureller Natur. Gänzlich eingetrübt haben sich die Aussichten im Detailhandel – insbesondere im stationären Bereich. Im Gegensatz dazu boomt der Onlinehandel.

Ihr nächster Schritt

Abonnieren Sie die Konjunkturumfrage als Newsletter, um per E-Mail immer auf dem neusten Stand zur Ostschweizer Konjunktur zu sein.