13. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht

US-Inflation wie erwartet

Die Jahresinflation ist in den USA wie erwartet etwas gesunken und lag im November bei 3.1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Aktienmärkte reagierten darauf aber kaum.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.19%, SPI: +0.12%, SMIM: +0.07%

Der Schweizer Aktienmarkt bewegte sich gestern in einem engen Band. Der Leitindex SMI schloss letztlich 0.2% höher. Wie erwartet ausgefallene US-Inflationszahlen sorgten für keine grossen Impulse. Weiter im Fokus stehen die ab heute Abend anstehenden Zentralbankenentscheide. Von den 20 Blue Chips im SMI notierten 15 Werte im positiven Bereich. An der Tabellenspitze stand der Logistiker Kühne + Nagel (+3.1%). Eine Ratinghochstufung eines Brokers und eine Kurszielanhebung verliehen Rückenwind. Dahinter reihten sich der Computer-Zubehörspezialist Logitech (+1.7%), der Rückversicherer Swiss Re (+0.9%) und der Aroma- und Riechhersteller Givaudan (+0.7%) ein. Die Indexschwergewichte notierten gestern uneinheitlich. Während Roche (-0.2%) und Nestlé (-0.1%) leicht im Minus schlossen, konnte Novartis (+0.4%) leicht zulegen. Auf der Verliererseite stand der Private Equity Spezialist Partners Group (-0.8%). Daneben waren aber auch der Industriekonzern ABB (-0.2%) und die Grossbank UBS (-0.2%) nicht gefragt. Die Privatbank Julius Bär kam auch gestern auf keinen grünen Zweig und verlor 1.3%. Am breiten Markt fielen die Aktien von Meyer Burger mit einem Kurssturz von 18.8% auf. Grund dafür ist die heute anstehende Debatte im deutschen Bundestag über eine mögliche Veränderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Zusätzlich belastete eine Reduktion des Kursziels eines Brokers.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.08%, DAX: -0.02%

Die europäischen Aktienmärkte zeigten sich gestern von der schwachen Seite und traten entweder nahezu auf der Stelle oder gaben nach. Vor den Zentralbankenentscheiden zeigten sich die Marktteilnehmer von der zurückhaltenden Seite. Die stärksten Abgaben verzeichnete der spanische IBEX 35 (-0.8%), gefolgt vom italienischen FTSE MIB (-0.3%). Auf Sektorenebene schwangen die Bereiche Technologie und Industrie obenauf. Unterdurchschnittlich schnitten hingegen die Sektoren Energie, Immobilien und Kommunikationsdienste ab. Auf Einzeltitelebene fielen die britischen Telekomwerte BT Group (-3.9%) und Vodafone (-2.1%) negativ auf. Berichten zufolge soll die britische Regulierungsbehörde Ofcom Telekomanbietern verbieten, während der Vertragslaufdauer aufgrund der Inflation die Preise nach oben anzupassen.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.48%, S&P500: +0.46%, Nasdaq: +0.70%

Die amerikanischen Aktienmärkte legten vor dem heutigen Fed-Zinsentscheid nochmals zu. Während der technologielastige Nasdaq um 0.7% emporstieg, avancierten der Dow Jones und der marktbreite S&P500 beide je um 0.5%. Der Dow Jones als auch der Nasdaq notieren damit nahezu auf ihren Rekordständen. Die US-Inflationszahlen fielen indes wie erwartet aus und brachten keine neuen Impulse. Auf Sektorenebene schwangen die zyklischen Werte Technologie, Finanzen und Grundstoffe obenaus. Unterdurchschnittlich zeigten sich hingegen die Bereiche Energie, Versorger und Immobilien.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.195%; DE: 2.223%; CH: 0.654%

In den Minuten vor und nach Veröffentlichung der November-Inflationsdaten zeigte sich die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen äusserst volatil, schlussendlich jedoch ohne klare Richtung. In den nächsten zwei Tagen stehen gleich mehrere Zinsentscheide auf der Agenda. Die US-Notenbank Fed entscheidet heute Abend über ihren geldpolitischen Kurs – es wird mit stabilen Leitzinsen gerechnet. Derzeit bewegt sich die Inflation in den USA in die von der Fed gewünschten Richtung, was die Markterwartungen baldiger Zinssenkungen zuletzt befeuerte. Im heutigen Fokus liegt daher, wie stark Fed-Chef Powell an der anschliessenden Pressekonferenz versuchen wird, die Zinssenkungsspekulationen zu dämpfen.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8754
Euro in US-Dollar: 1.0772
Euro in Franken: 0.9445

Die gestern publizierten US-Inflationsdaten brachten in einer ersten Reaktion zwar Bewegung an die Devisenmärkte, nachhaltig war dies jedoch nicht. Im Vorfeld der geldpolitischen Lagebeurteilung der US-Notenbank Fed ging der US-Dollar zum Franken und Euro kaum verändert aus dem Handel.  

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 68.33 pro Fass
Goldpreis: USD 1'973.38 pro Unze

Der Ölpreis rutschte im Tagesverlauf ins Minus und die US-Sorte WTI ging letztlich 4% tiefer aus dem Handel. Die Skepsis gegenüber der Umsetzung der von der OPEC+ angekündigten Förderkürzungen belastet den Ölpreis weiterhin. Gestern sorgte zudem die Meldung eines wachsenden Angebots an russischem Rohöl für Gegenwind. So sind laut der Nachrichtenagentur Bloomberg die Auslieferungen über See in den vergangenen vier Wochen deutlich gestiegen.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflation (November, YoY)
letzte: 3.2%; erwartet: 3.1%; aktuell: 3.1%
USA: Kerninflation (November, YoY)
letzte: 4.0%; erwartet: 4.0%; aktuell: 4.0%

Die Jahresinflation ist in den USA wie erwartet etwas gesunken und lag im November bei 3.1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Tiefere Energiepreise dämpfen den Preisauftrieb, wogegen die Wohnkosten die Gesamtinflation weiterhin erhöht halten. Steigende Mieten stehen besonders im Fokus, da sie viele Haushalte betreffen und rund 30 Prozent des Warenkorbs ausmachen, an dem die Inflationsrate gemessen wird. Die Kerninflation, ohne die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise, verharrte bei 4.0%, nachdem sie zuletzt auf den tiefsten Wert seit zwei Jahren zurückglitt. Damit notiert sie noch immer über dem anvisierten Fed-Ziel von 2%.

Daniel Wachter

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Angela Truniger

Finanzanalystin
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