15. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht

SNB und EZB belassen Leitzinsen unverändert

Die Aussicht auf Zinssenkungen in den USA beflügelten die Märkte zu Handelsbeginn. Im Tagesverlauf liessen die Kursgewinne aber etwas nach, denn die SNB und EZB Zinsentscheide fielen wie erwartet aus. Der SMI schloss letztlich 0.2% höher.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.19%, SPI: +0.55%, SMIM: +2.28%

Der Schweizer Aktienmarkt startete zunächst mit deutlichen Kursgewinnen in den Handelstag. Beflügelt wurde der Index durch die US-Notenbank Fed, welche für nächstes Jahr Zinssenkungen in Aussicht stellte. Dies sorgte vor allem bei den zinssensitiven und zyklischen Werten für Auftrieb. Im Tagesverlauf liessen die Kursgewinne etwas nach, die SNB und EZB brachten mit ihren Zinsentscheiden, die wie erwartet ausfielen, nur wenig Impulse. Der Schweizer Leitindex SMI schloss 0.2% höher. Dass der SMI nicht noch höher notierte, war vor allem den schwachen Indexschwergewichten zuzuschreiben. Die defensiven Roche (-2.7%), Novartis (-1.3%) und Nestlé (-0.7%) waren im gestrigen prozyklischen Umfeld nicht gefragt und erwiesen sich als Bremsklötze. An der Tabellenspitze standen die wirtschaftssensitiven Werte Sika (+7.3%), Geberit (+6.3%) und Richemont (+4.1%). Dahinter reihten sich aber auch die Grossbank UBS (+3.8%) und der Hörgerätehersteller Sonova (+3.7%) ein. Die Versicherer schlossen derweil unterschiedlich. Der Rückversicherer Swiss Re verlor 4.9% und war damit am Tabellenende zu finden. Auch Zurich Insurance (-1.8%) musste Federn lassen. Einzig der Lebensversicherer Swiss Life (+0.2%) konnte sich leicht im Plus halten. Am breiten Markt legte ams-OSRAM um 13.5% zu. Ein positiver Analystenkommentar sowie das prozyklische Umfeld waren dafür verantwortlich. DocMorris (+6.7%) avancierte ebenfalls deutlich. Grund dafür war, dass der deutsche Bundestag dem Gesetz zustimmte, wonach es ab dem 1. Januar 2024 für Ärzte verpflichtend sei, die Rezepte elektronisch auszustellen.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.20%, DAX: -0.08%

Die europäischen Aktienmärkte wurden am Vormittag ebenfalls von den Aussichten auf Zinssenkungen in den USA im nächsten Jahr angetrieben. Nachdem die EZB den Leitzins unverändert beliess und im Gegensatz zur US-Notenbank nichts von möglichen Zinssenkungen hören liess, bröckelten die Kursgewinne wieder etwas ab. Der britische FTSE 100 avancierte um 1.3%, während der spanische IBEX 35 0.8% höher schloss. Der länderübergreifende EuroStoxx 50 konnte ein Plus von 0.2% ausweisen, wohingegen der deutsche DAX (-0.1%) letztlich noch in die Verlustzone abdriftete. Auf Sektorenebene schwangen die Bereiche Immobilien, Grundstoffe und zyklischer Konsum obenaus.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.43%, S&P500: +0.26%, Nasdaq: +0.19%

Die US-Aktienmärkte konnten gestern weitere Kursgewinne verzeichnen. Während der Dow Jones um 0.4% höher schloss, notierten der marktbreite S&P500 0.3% und der technologielastige Nasdaq 0.2% höher. Die Aussicht auf Zinssenkungen im nächsten Jahr sorgte für Auftrieb. Der Dow Jones Index erklomm gar ein neues Allzeithoch. Auf Sektorenebene gehörten die Bereiche Energie, Immobilien und Grundstoffe zu den Gewinnern. Unterdurchschnittlich beendeten den Handelstag vor allem die defensiven Sektoren nichtzyklischer Konsum, Versorger und Gesundheit. Unter den Dow-Jones-Werten stand der Baumaschinenhersteller Caterpillar mit einem Plus von 6.4% an der Tabellenspitze.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 3.943%; DE: 2.105%; CH: 0.575%

Im Anschluss an den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed von Mittwochabend sind die Renditen noch einmal deutlich gefallen. Die Rendite des 10-jährigen US-Treasury notiert unterdessen erstmals seit letztem Juli wieder unter 4%. Die geldpolitischen Lagebeurteilungen der Europäischen Zentralbank und der Schweizerischen Nationalbank sorgten gestern zwar für eine leichte Gegenbewegung, noch immer notieren die Renditen jedoch deutlich tiefer als noch zu Wochenbeginn.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8669
Euro in US-Dollar: 1.0990
Euro in Franken: 0.9527

Der Schweizer Franken tendierte gestern etwas schwächer, nachdem die Schweizerische Nationalbank an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung entschied, Devisenverkäufe derzeit nicht mehr in den Vordergrund zu stellen. Deutliche Kursgewinne zeigte hingegen die norwegische Krone, nachdem die norwegische Notenbank ihren Leitzins etwas überraschend noch einmal erhöhte.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 71.72 pro Fass
Goldpreis: USD 2'035.61 pro Unze

Der Ölpreis der US-Sorte West Texas Intermediate ist gestern wieder über die Marke von 70 US-Dollar das Fass angestiegen. Für Preisauftrieb sorgte nach dem Zinsentscheid der Federal Reserve Bank insbesondere die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: SNB-Leitzins
letzter: 1.75%; erwartet: 1.75%; aktuell: 1.75%

Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins gestern erwartungsgemäss bei 1.75% belassen. Zwar wuchs die Weltwirtschaft in den vergangenen Monaten stärker als erwartet, gleichzeitig bildete sich jedoch die Inflation in den meisten Ländern deutlich zurück, so auch in der Schweiz. Obwohl die Inflation in der Schweiz in den kommenden Monaten aufgrund von höheren Strompreisen und Mieten sowie der Anhebung der Mehrwertsteuer wieder etwas zunehmen wird, hat der mittelfristige Inflationsdruck gemäss SNB-Präsident Thomas Jordan weiter nachgelassen. Entsprechend liegt die neue, bedingte Inflationsprognose der SNB unterhalb derjenigen vom September und damit über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität von 0%-2%. Weitere Leitzinserhöhungen sind deshalb nicht mehr notwendig. Allerdings bieten sich auch keine raschen Leitzinssenkungen an, denn gemäss den Prognosen der Schweizerischen Nationalbank dürfte die Schweizer Wirtschaft auch 2024 noch zwischen 0.5% und 1% wachsen. Wir rechnen deshalb für eine geraume Zeit mit einem stabilen SNB-Leitzins. Eine erste Leitzinssenkung erwarten wir erst 2025.

Eurozone: EZB-Hauptrefinanzierungssatz
letzter: 4.50%; erwartet: 4.50%; aktuell: 4.50%
Eurozone: EZB-Einlagezinssatz
letzter: 4.00%; erwartet: 4.00%; aktuell: 4.00%

Die Europäische Zentralbank beliess ihre Leitzinsen gestern erwartungsgemäss unverändert. Der EZB-Rat geht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in der Eurozone auf kurze Sicht verhalten bleiben wird, sich die Konjunktur danach aber wieder erholen dürfte. Zudem hat der Preisdruck zuletzt merklich nachgelassen. Allerdings gehen die Experten der Europäischen Zentralbank davon aus, dass die durchschnittliche Inflation mit 2.7% auch 2024 noch deutlich über dem mittelfristigen 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank liegen wird. Gemäss EZB-Präsidentin Christine Lagarde notieren die Leitzinsen mittlerweile jedoch auf einem Niveau, das – wenn es lange genug aufrechterhalten wird – eine Rückkehr der Inflation in den Zielbereich sicherstellt. Man werde jedoch bei der Festlegung der angemessenen Höhe und Dauer das restriktiven Niveaus weiterhin einen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Aufgrund der nur langsam sinkenden Inflation erwarten wir keine schnellen Zinssenkungen im Euroraum.

 

Angela Truniger

Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Patrick Häfeli

Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich