04. Januar 2024, Tägliche Marktsicht

Positiver Jahresauftakt dank Schwergewichten

Gewinnmitnahmen und Sorgen um eine Eskalation im mittleren Osten belasteten gestern weltweit die Aktienmärkte. Dank gefragten Schwergewichten startete der SMI trotzdem leicht positiv ins neue Jahr.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.29%, SPI: -0.01%, SMIM: -1.29%

Der Schweizer Aktienmarkt startete gestern mit leichten Kursgewinnen ins neue Kalenderjahr. Nach den starken Kursavancen der letzten Monate war der gestrige Handelstag auf Einzeltitelebene allerdings von kräftigen Gewinnmitnahmen geprägt. Die Angst vor einer Ausweitung der Eskalation im Nahen Osten belastete am Nachmittag zudem weltweit die Stimmung an den Börsen. Dank einer starken Entwicklung der drei Index-Schwergewichte konnte sich der SMI mit einem Kursplus von 0.3% immerhin in die Gewinnzone retten. An der Spitze zogen die Aktien des Pharma-Schwergewichts Novartis um 4.4% an. Das Unternehmen sicherte sich gestern die Rechte an einer vielversprechenden Gentherapie des US-Biotechunternehmens Voyager. Gegen eine Vorauszahlung von USD 100 Mio. und erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen von bis zu USD 1.2 Mrd. erhält Novartis die Rechte an einer sich in der Entwicklung befindenden Gentherapie zur Behandlung von Huntington und Muskelschwund. Ebenfalls im Aufwind standen die Aktien von Roche, die um Auf 3.0% anzogen. Der Pharmakonzern kündigte eine Zusammenarbeit mit dem US-Biotechunternehmen Remix im Bereich RNA-Therapien an. Auch das dritte Schwergewicht Nestle gehörte mit einem Kursanstieg von 1.8% neben Swisscom (+1.9%) und Kühne + Nagel (+1.7%) zu den wenigen Tagesgewinnern. Auf der anderen Seite des Tableaus verloren mit ABB (-3.2%), Richemont (-3.2%), Geberit (-4.0%), UBS (-4.4%), Partners Group (-4.8%) und Sika (-5.6%) vor allem Zykliker und Wachstumswerte erheblich an Terrain. Auch im breiten Markt gehörten Wachstumstitel wie Straumann (-3.6%), Tecan (-4.5%) oder Belimo (-3.5%) zu den Leidträgern der einsetzenden Gewinnmitnahmen. Deutlich unter Druck standen zudem Inficon (-4.0%), Comet (-4.5%), U-Blox (-4.8%) und VAT (-7.7%). Der Halbleiterwerte wurden zusätzlich von der Meldung belastet, wonach der Chipausrüster ASML wegen den US-Sanktionen mit neuen Exportbeschränkungen nach China konfrontiert sein könnte. Entgegen dem Trend und ohne Neuigkeiten sprangen die Aktien von Sandoz um 4.5% nach oben.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.43%, DAX: -1.38%

Nach dem verhaltenen Start vom Dienstag setzten an den europäischen Aktienmärkten gestern ebenfalls Gewinnmitnahmen ein. Der EuroStoxx50 und der DAX rutschen jeweils um 1.4% ab, während der französischen CAC40 um 1.6% zurückfiel. Aus Branchensicht führten wirtschaftssensitive Sektoren wie zyklischer Konsum, IT und Grundstoffe die Verliererliste an. Profiteure der gestiegenen Risikoaversion waren die defensiven Branchen Kommunikationsdienste, Basiskonsum und Gesundheit, die gestern das Gewinnerfeld anführten. Daneben gehörten Aktien aus dem Energiesektor dank gestiegenen Ölpreisen zu den gefragteren Werten. Auf Einzeltitelebene stand unter anderem Alstom im Fokus. Die Aktien des Zugbauers verloren nach einem pessimistischen Analystenbericht 9.9%.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.76%, S&P500: -0.80%, Nasdaq: -1.18%

Die amerikanischen Aktienmärkte knüpften gestern an den schwachen Start vom Dienstag an und beendeten den Handelstag mit deutlichen Kursverlusten. Nach den vor allem von Zinssenkungshoffnungen getragenen Kursrally der letzten Monate nahmen Marktteilnehmen vermehrt Kurgewinne mit. Der DowJones und der S&P500 gaben jeweils 0.8% nach, während der technologielastige Nasdaq um 1.2% zurückfiel. Zu den schwächsten Einzelwerten im DowJones gehörten Walgreen Boots Alliance. Die Aktien der Drogeriekette fielen vor der morgigen Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen um 4.1% zurück. Die Tesla-Aktien verloren 4.0%, nachdem sich ein Broker vorsichtig zu den Gewinnaussichten des Autoherstellers äusserte.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre

USA: 3.910%; DE: 2.021%; CH: 0.625%

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen Staatspapiere reagierte wenig auf das gestern veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung des US-Notenbank Fed. In dem Protokoll bestätigte die Fed, dass der Zinsgipfel mit grosser Wahrscheinlichkeit erreicht sei, die restriktive Geldpolitik solle jedoch beibehalten werden, bis die Inflation nachhaltig zurückgehe. Zudem kündigte sie Zinssenkungen an, falls sich der Inflationsrückgang 2024 fortsetzen sollte. Über den Zeitpunkt für eine erste Zinssenkung gibt das Protokoll jedoch keine Hinweise.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8483
Euro in US-Dollar: 1.0933
Euro in Franken: 0.9276

Der Euro stand gestern erneut unter Druck und verlor sowohl gegenüber dem Schweizer Franken als auch gegenüber dem US-Dollar an Wert. Nach der Veröffentlichung des Fed Protokolls geriet der US-Dollar etwas unter Druck und der Euro konnte einen Teil seiner Verluste gegenüber dem Greenback wettmachen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 73.37 pro Fass
Goldpreis: USD 2'047.35 pro Unze

Der Ölpreis konnte am Mittwoch zulegen und machten damit die Vortagesverluste beinahe wett. Berichte über Störungen auf einem der wichtigsten Ölfelder Libyens trieben die Preise nach oben. Ausserdem stützt auch die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten den Ölpreis.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: ISM-Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe (Dezember)
letzter: 46.7; erwartet: 47.1; aktuell: 47.4

Der Stimmung in der US-Industrie hat sich zum Jahresende etwas stärker aufgehellt als erwartet. Die gestern publizierte Umfrage bei den Einkaufsmanagern deutet jedoch weiterhin auf eine schrumpfende US-Industrie hin. Der Index notiert damit bereits den 14 Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der für die künftige Geschäftsentwicklung wichtige Auftragseingang wird erneut schlechter beurteilt.

China: Caixin Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (Dezember)
letzter: 51.5; erwartet: 51.6; aktuell: 52.9

Der Stimmung im chinesischen Dienstleistungssektor hat sich im Dezember überraschend stark aufgehellt. Damit erreicht der Index den höchsten Stand seit Mai 2023 und setzt den Aufwärtstrend vom November fort. Positiv bewertet wurde unter anderem der Auftragseingang.

 

 

Céline Koster

Strategieanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich