19. Dezember 2023, Rohstoffe

Notenbankwoche gut für Gold

Die Woche der Notenbank-Entscheide war positiv für die Preisentwicklung bei den Edelmetallen. Gold profitiert von den Erwartungen an sinkende Leitzinsen, während Palladium mit Preiskapriolen auffällt.

Gold wird 2023 voraussichtlich als Gewinner bei den Edelmetallen hervorgehen. Kurz vor dem Jahresende handelt das Edelmetall 12% im Plus, gefolgt von Silber (+1%). Unter dem Stand von Anfang Jahr notieren, ebenfalls in Dollar gemessen, die Edelmetalle Platin (–10%) und vor allem Palladium (–31%) – trotz der Preiskapriolen im Handel mit Palladium (+12% letzten Donnerstag). Im engen Palladiummarkt wirken sich die geringen Handelsvolumen und die überschaubare Anzahl Marktteilnehmer jeweils stark auf den Preis aus. Grossbritannien verhängte neue Sanktionen gegen russische Metalle. Die Massnahmen betreffen zwar nicht die Palladiumlieferungen aus Russland, die 40% des weltweiten Förderangebots ausmachen, doch reichten Bedenken über Lieferstörungen für den Preissprung aus. Hedge Funds dürften ihre Wetten auf einen fallenden Palladiumpreis reduziert haben, nachdem die einseitige Positionierung am Futures-Markt einen Rekordwert erreicht hatte.

Zinserwartungen treiben den Goldpreis

In kleinerem Ausmass hat auch Gold eine Achterbahnfahrt hinter sich. Mit den steigenden Zinsen korrigierte der Preis Anfang Oktober zunächst um über 6%, gefolgt von einem neuen Rekordstand Anfang Dezember. Die Rahmenbedingungen für Gold haben sich mit der Erwartung sinkender Zinsen aufgehellt. Goldfonds (ETF) verzeichneten im November allerdings im sechsten Monat in Folge Abflüsse, und auch im Dezember zeigte sich keine Trendwende. Eine verlässliche Stütze am Goldmarkt bleiben dagegen Zentralbanken. Vergangenes Jahr erreichten ihre Goldkäufe mit über 1'000 Tonnen einen neuen Rekord – und auch im laufenden Jahr wird das Kaufvolumen nur unwesentlich tiefer ausfallen. Damit konnten die Verkäufe der ETF-Anleger etwas mehr als aufgefangen werden.

«Alle Augen auf das Fed»

Die Devise in der Vorwoche lautete allerdings: «Alle Augen auf das Fed». In einem Markt, der von den bisher deutlichsten Hinweisen der US-Notenbank auf eine Lockerung der Geldpolitik im nächsten Jahr dominiert wurde, legte der Goldpreis zu. Während das Fed für 2024 Zinssenkungen um 75 Basispunkte andeutete, gehen die Märkte von deutlich stärkeren Zinssenkungen aus. Zinserwartungen werden die Preisentwicklung im neuen Jahr massgeblich prägen. Ins Blickfeld rückt das Protokoll zum jüngsten Fed-Zinsentscheid, das am 3. Januar 2024 veröffentlicht wird. Es dürfte Aufschluss darüber geben, ob die Erwartungen der Marktteilnehmer nicht etwas übertrieben sind.

Edelmetalle: Preisentwicklung im Quervergleich

Quelle: Bloomberg; Edelmetallpreise in US-Dollar pro Unze (indexiert; Jan. 2018=100)

Einschätzung

19.12.2023 in 3 Monaten in 12 Monaten
Gold (USD/Unze) 2030 1950 - 2050 1900 - 2000
Quelle: Bloomberg und Prognosen SGKB

Daniel Wachter

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich