15. Januar 2024, Tägliche Marktsicht

Die US-Schulden steigen und niemand interessiert es

Heute beginnen in Iowa die Vorwahlen in den USA. In den nächsten Wochen folgenden die anderen Staaten Schlag auf Schlag. Bei den Wahlkampfveranstaltungen geht es um viele Themen, die Schulden der USA gehören aber nur am Rande dazu, wenn überhaupt.

Im Fokus

Heute beginnen in Iowa die Vorwahlen in den USA. In den nächsten Wochen folgenden die anderen Staaten Schlag auf Schlag. Bei den Wahlkampfveranstaltungen geht es um viele Themen, die Schulden der USA gehören aber nur am Rande dazu, wenn überhaupt. Die Leute interessiert es nicht und mit der Schuldenbekämpfung kann nicht gepunktet werden. In einer Woche steht die US-Verwaltung wieder vor einer teilweisen Zahlungsunfähigkeit. Ein Teil des provisorischen Budgets, das zwischen den Republikanern und den Demokraten im Herbst ausgehandelt wurde, läuft aus und muss verlängert werden. Der rechte Flügel der Republikaner im Repräsentantenhaus stellt sich einmal mehr quer. Vordergründig geben sie an, dass sie damit den weiteren Schuldenaufbau verhindern wollen. Effektiv geht es ihnen darum, den Staat zu schwächen. Das Schuldenproblem angehen wollen sie auch nicht. Die damit verbundenen schmerzhaften Einschränkungen können sie ihrer Klientel nicht zumuten.

Also steigen die Schulden der USA munter weiter an. Mittlerweile haben sie eine Summe von 34’000 Mrd. US-Dollar erreicht. Für die Zinsen gab das Treasury im letzten Jahr 68 Mrd. US-Dollar aus, 12% der gesamten Ausgaben. Damit kostet der Schuldendienst fast so viel wie das Militär. Neben der steigenden Summe der Schulden schlagen auch die höheren Zinsen durch. Vor drei Jahren umfasste die Zinsrechnung noch 25 Mrd. US-Dollar oder 5% der Ausgaben.

Dass die US-Schulden politisch nur ein populistisches und kein ernstgenommenes Thema sind, hängt auch mit deren leichten Finanzierung zusammen. Der grösste Gläubiger des US-Finanzministeriums ist die Fed mit einem Anteil von 14%. Seit dem Sommer 2022 hat die Fed ihre Bestände an US-Treasuries jedoch um 1'000 Mrd. US-Dollar reduziert, ohne dass es an den Märkten je ein grosses Thema war. Andere Investoren fanden sich mit Leichtigkeit. Die grossen Fondsverwalter wie Vanguard, Fidelity oder BlackRock sprangen in die Bresche. Ein positiver Faktor bei der Beurteilung der US-Schuldenlage ist der mit 22% relativ kleine Anteil an ausländischen Haltern von Treasuries, angeführt von Japan. China hat seine Positionen seit 2018 um einen Drittel reduziert. Die Drohkulisse, dass China den USA den Geldhahn zudreht, ist sehr brüchig geworden.

Nur zwischendurch ein Thema sind die US-Schulden an den Finanzmärkten. Wenn die Schuldenobergrenze oder die Schliessung der Bundesverwaltung droht, wird die Zahlungsunfähigkeit der USA und der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems heraufbeschworen. Nach der üblichen Last-Minute-Einigung in Washington verschwindet das Thema schnell wieder. Die angedrohten höheren Zinsen aufgrund von Rating-Herabstufungen haben sich nie materialisiert. Der Treiber hinter den US-Zinsen sind die Zinserwartungen an die Fed. Diese werden durch die Inflation und die Konjunktur bestimmt und nicht durch das «Kreditrisiko USA». Gering ist der Einfluss der Schulden auch auf die Währung. Der US-Dollar wird in unserer Wahrnehmung immer schwächer. Das mag richtig sein für die Zeit zwischen 2000 und 2010, als der US-Dollar zum Franken von 1.80 auf die Parität fiel. Auf diesem Niveau hielt er sich dann mehr als zehn Jahre, auch dank der SNB, bevor er in den letzten Monaten auf 85 Rappen fiel. Schwächer wurde der US-Dollar aber nur gegen den Franken. Handelsgewichtet wird der US-Dollar schon seit längerem immer teurer. Seit 2018 hat er sich um 25% aufgewertet, gleich viel wie der Franken.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.31%, S&P500: +0.08%, Nasdaq: +0.02%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.85%, DAX: +0.95%, SMI: +0.65%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: +0.99%, HangSeng: -0.26%, S&P/ASX 200: -0.03%

Die Aktienmärkte sind auf der Suche nach ihrem Weg. Die Konjunkturdaten senden unterschiedliche Signale aus. Die Inflation bleibt hoch, die Konjunktur schwächt sich ab. Der Fall in die Rezession steht aber nicht vor der Tür. Trotzdem halten sich die Erwartungen an rasch und stark fallende Zinsen hartnäckig. Ein orientierungsloser Handel an der Börse ist die logische Folge. Der S&P 500 legte letzte Woche 1.82% zu. Die europäischen Aktien stiegen 0.37%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.32% abschloss.

Die konjunkturelle Lage rund um den Globus ist zum Jahresstart noch durchwachsen. Das hat aber durchaus auch positive Aspekte. Im Zuge einer schwächeren Konjunktur wird sich der Inflationstrend weiter in die richtige Richtung bewegen und tendenziell sinken. Im Zuge eines tieferen Inflationsdrucks nimmt die Planungssicherheit bei den Unternehmen zu und die Margen können sich stabilisieren. Beides ist für die Entwicklung an den Aktienmärkten grundsätzlich positiv. Am wichtigsten sind aber die Erwartungen der Märkte an die Notenbanken. Sinkende Inflation, schwächere Konjunkturentwicklung – diese Kombination wird die Notenbanken auf den Plan rufen. Nachdem sie in den letzten Jahren die Inflation bekämpfen mussten und ihre Zinsen schnell und stark erhöhten, hat der Wind nun definitiv gedreht. In diesem Jahr stehen die Zeichen auf „Zinssenkungen“ und das wird die Aktienmärkte positiv beeinflussen. Wir erwarten, dass im Vorfeld des Richtungswechsels die Aktienmärkte mit Kurssteigerungen auf die erwartete Geldpolitik reagieren werden.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 3.939%; DE: 2.184%; CH: 0.843%

Nach dem Anstieg der letzten Woche bewegen sich die Zinsen an den Kapitalmärkten in einem engen Band. Der Haupttreiber bleibt die Erwartung an sinkende Leitzinsen. Von der Fed werden in diesem Jahr sieben Zinssenkungen erwartet. Der Start soll schon im März erfolgen.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8526
Euro in US-Dollar: 1.0965
Euro in Franken: 0.9349

Am Devisenmarkt ist das Januarloch zu spüren. Der Franken hat sich nach der starken Aufwertung über das Jahresende beruhigt. Ob die SNB dahintersteckt, ist nicht bekannt. Es ist gut möglich, dass sie in der Zeit der stärksten Aufwertungsbewegung zwischen Weihnachten und Neujahr mit Interventionen im Markt eingegriffen hat. Dass die SNB wieder zur Politik der stetigen Käufe von Devisen übergeht, ist aber unwahrscheinlich.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 72.64 pro Fass
Goldpreis: USD 2'054.96 pro Unze

Was für die anderen Märkte gilt, gilt auch für die Rohstoffmärkte. Sie sind auf der Suche nach neuen Orientierungspunkten. Entsprechen lau ist der Handel.

Wirtschaft

Es werden in diesen Tagen viele Konjunkturdaten veröffentliche, aber nur solche aus der zweiten oder dritten Liga. Bis wieder etwas Substantielles ansteht, das die Einschätzung der Marktteilnehmer zur Konjunktur bestätigt oder verändert, müssen wir uns noch ein paar Tage gedulden.

Thomas Stucki

Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich