19. Januar 2024, Tägliche Marktsicht

Die Aktienmärkte erholen sich

Der Luxusgüterhersteller Richemont glänzte gestern nach den präsentierten Quartalszahlen. Im Fokus stehen heute die Geschäftszahlen von Ascom, SFS und Temenos.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.33%, SPI: +0.31%, SMIM: +0.27%

Der Schweizer Aktienmarkt konnte am Donnerstag mit Gewinnen schliessen. Der SMI notierte bei Handelsende 0.3% höher. Als Tagesgewinner entpuppten sich die Valoren von Richemont, die einen Kurssprung von 10.4% verzeichnen konnten. Grund dafür war die über den Analystenerwartungen liegende Umsatzentwicklung im verschobenen 3. Geschäftsquartal. Die präsentierten Zahlen verliehen auch den Aktien von Swatch Aufwind, welche 1.0% höher schlossen. Die Aktien von Partners Group profitierten von einer Analystenempfehlung. Bei Börsenschluss wiesen sie ein Plus von 1.7% auf. Ebenfalls als Gewinner gingen die angeschlagenen Titel von Julius Bär (+1.6%), Lonza sowie ABB (je +1.4%) und UBS (+0.8%) hervor. Auf der Verliererseite notierten die Versicherungswerte Zurich Insurance (-0.9%) und Swiss Re (-0.7%). Die grössten Abgaben verzeichnete jedoch der Logistiker Kühne + Nagel (-1.1%), der nach den jüngsten Kursavancen unter Gewinnmitnahmen litt. Die Schwergewichte Nestlé, Novartis sowie Roche belasteten den Markt mit Abgaben zwischen 0.5% und 0.6%. Den zuletzt stark angestiegenen Aktien von Lindt & Sprüngli setzten Gewinnmitnahmen zu. Die Valoren verloren bei Börsenschluss 2.6%. Die arg gebeutelten Titel von Meyer Burger konnten gegenüber den hohen Verlusten vom Vortag wieder zulegen und schlossen 9.6% höher.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +1.13%, DAX: +0.83%

Die europäischen Aktienmärkte konnten die Kursschwäche aus den letzten Tagen vorerst stoppen. Der länderübergreifende EuroStoxx 50 (+1.1%) schloss klar positiv. Im selben Ausmass legte der französische CAC40 zu (+1.1%). Leicht dahinter schlossen der deutsche DAX (+0.8%) und der britische FTSE 100 (+0.2%). In der Sektoren-Betrachtung gingen die Reise- und Freizeitwerte als Gewinner hervor. Defensive Branchen wie die Versorger und die Nahrungsmittelproduzenten belegten im Branchenvergleich die hinteren Plätze.

Aktienmärkte USA

DowJones: +0.54% S&P500: +0.88%, Nasdaq: +1.35%

Nach den jüngsten Verlusten an den US-Aktienmärkten drehte sich gestern die Stimmung und die Marktteilnehmer gerieten in Kauflaune. Der Leitindex DowJones schloss 0.5% höher, während der marktbreite S&P500 um 0.9% avancierte. Am stärksten konnte der technologielastige Nasdaq (+1.4%) zulegen. Die Technologieaktien erhielten von den unerwartet guten Geschäftszahlen des weltgrössten Halbleiterkonzerns TSMC aus Taiwan Unterstützung. Auf Sektorenebene waren Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Kommunikationsdienste und Industrie gefragt. Auf der Verliererseite verzeichneten die Versorger den grössten Rückgang, gefolgt von den Sektoren Immobilien sowie Energie und Basiskonsum. Auf Einzeltitelebene fielen die jüngst schwächeren Aktien von Apple (+3.3%) auf. Der iPhone-Hersteller profitierte von einer Ratingerhöhung durch einen Broker. Ebenfalls gefragt waren die Titel von Boeing (+4.2%), die nach dem Kurssturz von letzter Woche wieder anstiegen. Der Flugzeughersteller erhielt trotz den jüngsten Sicherheitsproblemen einen Grossauftrag aus Indien.

Unternehmensberichte

Ascom publizierte heute Morgen die Vorabzahlen zum Geschäftsjahr 2023. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von CHF 297.3 Mio., was im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderung darstellt. In Lokalwährungen erreichte Ascom jedoch einen Anstieg von 5.5%. Damit konnte das Ziel eines Wachstums im mittleren einstelligen Prozentbereich erreicht werden. Allerdings sah sich das Management gezwungen, die Prognosen Anfang Dezember 2023 wegen der sich eintrübenden Marktlage deutlich zu senken. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA stieg von CHF 23.9 Mio. im Geschäftsjahr 2022 auf CHF 30.1 Mio. Die entsprechende EBITDA-Marge betrug 10.1% (2022: 8.0%). Der Auftragseingang belief sich auf CHF 318.6 Mio. (2022: CHF 335.7 Mio.). Dies entspricht einer flachen Entwicklung zu konstanten Wechselkursen und einem Rückgang von 5.1% zu aktuellen Wechselkursen. Mit den publizierten Zahlen liegt Ascom am unteren Ende der Markterwartungen. Die vollständigen Jahreszahlen zum Geschäftsjahr 2023 publiziert Ascom am 5. März 2024.

SFS präsentierte heute Morgen die Umsatzzahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2023. Der Hersteller von Befestigungssystemen und Präzisionsformteilen konnte den Umsatz um 12.6% auf CHF 3.09 Mrd. steigern. Das organische Wachstum betrug 2.1%. Konsolidierungseffekte aus der im Mai 2022 vollzogenen Einbindung von Hoffmann trugen 14.6% zum Umsatzwachstum bei. Starke Währungseffekte bremsten hingegen die Umsatzentwicklung um -4.1%. Im zweiten Halbjahr beschleunigte sich das Umsatzwachstum im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2023 um 2.4%. Im Segment «Engineered Components» sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 3.9% auf CHF 987.7 Mio., während der Bereich «Distribution & Logistics», welcher die integrierte Hoffmann enthält, einen starken Umsatzsprung von 38.7% auf CHF 1.49 Mrd. erzielte. Allerdings hat sich in diesem Bereich im Laufe des Jahres eine sich eintrübende Marktnachfrage gezeigt. Im Segment «Fastening System» erzielte SFS einen um 4.6% tieferen Umsatz von CHF 615.3 Mio. Mit dem Zahlenset verfehlt SFS die Analystenprognosen knapp und landet am unteren Ende der eigenen Prognose, welche einen Umsatz zwischen CHF 3.1 Mrd. und CHF 3.3 Mrd. vorsah. Das Unternehmen machte keine Aussagen zur Gewinnprognose für 2023. Die detaillierten Geschäftszahlen publiziert SFS am 7. März 2024.

Temenos legte heute Morgen überraschend die Vorabzahlen für das Geschäftsjahr 2023 vor. Der Bankensoftwarehersteller erzielte einen Umsatz von USD 1.0 Mrd., nachdem dieser im Vorjahr bei USD 949.6 Mio. lag, was einem Anstieg von 5% entspricht. Zu konstanten Währungen betrug das Wachstum ebenfalls 5%. Im Schlussquartal konnte Temenos den Umsatz um 7% auf USD 298.0 Mio. erhöhen. Auch die annualisierten wiederkehrenden Erträge (ARR) legten um 17% auf USD 730.0 Mio. zu. Die Lizenzeinnahmen stiegen um 10% auf USD 443.6 Mio., während der Bereich «Maintenance» um 5% auf USD 423.7 Mio. stieg. Im Segment «Services» musste Temenos jedoch ein Rückgang von 7% auf USD 132.9 hinnehmen. Der organische Betriebsgewinn auf Stufe EBIT betrug für das abgelaufene Geschäftsjahr USD 313.0 Mio., nach USD 272.4 Mio. im Vorjahr. Die entsprechende EBIT-Marge konnte von 28.7% auf 31.3% gesteigert werden. Mit dem präsentierten Zahlenset lag Temenos teilweise deutlich über den gesteckten Zielen, die erst im letzten Oktober noch erhöht wurden. Auch die Analystenprognosen konnten übertroffen werden. Die vollständigen Zahlen wird Temenos am 19. Februar 2024 mitteilen. Ebenfalls werden dann die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gegeben. Einen Tag später wird das Unternehmen seinen Kapitalmarkttag abhalten.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.165%; DE: 2.346%; CH: 0.835%

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Treasury stieg gestern erstmals seit einem Monat wieder über 4.15%. Dass sich die US-Wirtschaft trotz hoher Zinsen weiterhin robust entwickelt, hat Spekulationen auf rasche Zinssenkungen zuletzt einen Dämpfer versetzt. Die Marktakteure haben in den letzten Tagen die übertriebenen Erwartungen an rasche Zinssenkungen der US-Notenbank teilweise korrigiert. Geldmarktteilnehmer sehen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine geldpolitische Lockerung im März, während sie vor einem Monat noch bei über 80 Prozent lag.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8689
Euro in US-Dollar: 1.0880
Euro in Franken: 0.9453

Nachdem der Franken zum Jahreswechsel nochmals deutlich zur Stärke neigte, konnten der US-Dollar und Euro im Januar zum Franken etwas Boden gutmachen. Das USD/CHF-Währungspaar handelt rund drei Rappen höher als noch Ende Dezember. Beim EUR/CHF-Paar sind es zwei Rappen. Die sich verändernden Zinserwartungen bleiben ein wichtiger Taktgeber. Auf der Agenda steht nächste Woche der geldpolitische Beschluss der Europäischen Zentralbank, die US-Notenbank Fed folgt eine Woche später.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 74.14 pro Fass
Goldpreis: USD 2'021.30 pro Unze

Die Suche nach neuen Orientierungspunkten geht am Erdölmarkt weiter. Im Januar pendelte die US-Sorte WTI bisher in einem Band zwischen 70 und 75 US-Dollar pro Fass seitwärts. US-Militärschläge gegen die Huthi-Rebellen im Yemen sorgten zeitweise für steigende Ölpreise. Da es noch zu keinen Angebotsengpässen oder Lieferunterbrechungen gekommen ist, bleiben die Preisbewegungen verhalten. Allerdings sind viele Öltanker wegen der Spannungen im Roten Meer gezwungen, derzeit längere Transportwege in Kauf zu nehmen.

Wirtschaft und Konjunktur

Es wurden gestern keine relevanten Wirtschaftsdaten publiziert.

Daniel Wachter

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Florian Hiltpold

Finanzanalyst
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Anja Felder

Finanzanalystin
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