08. Januar 2024, Tägliche Marktsicht

Der holprige Start an den Aktienmärkten kommt nicht überraschend

Die Aktienmärkte sind verhalten in das neue Jahr gestartet, um es mal schön auszudrücken. Nach dem starken Rallye im November und Dezember kommt das nicht überraschend.

Im Fokus

Die Aktienmärkte sind verhalten in das neue Jahr gestartet, um es mal schön auszudrücken. Nach dem starken Rallye im November und Dezember kommt das nicht überraschend. Der S&P 500 ist in diesen zwei Monaten um satte 17% gestiegen. Beim Swiss Performance Index war der Anstieg bescheidener, aber mit 8% immer noch bemerkenswert. Es sind denn auch die Titel und Sektoren, die zum Jahresende markant zugelegt haben, welche nun am stärksten unter Druck geraten sind.

Die Erwartungen an die Zinssenkungen der Zentralbanken waren im Dezember übertrieben hoch. Von der Fed wird in diesem Jahr eine Zinssenkung von 1.75% erwartet, von der SNB eine solche von 0.75%. Das hat die Renditen der Obligationen auf Niveaus gedrückt, die nur mit einer starken Rezession erklärt werden können. In den letzten Tagen sind die Kapitalmarktzinsen wieder gestiegen. Die Zinserwartungen werden zurückgeschraubt, was sich negativ auf die Aktien auswirkt. Die Erwartungen an rasch sinkende Zinsen sind immer noch zu hoch. Von dieser Seite wird die Unsicherheit an den Börsen somit anhalten. Von der Inflationsseite kommen auch eher negative Meldungen. Die Inflationsraten steigen wieder, was zu erwarten war. Die Zahlen sind im November zu stark gesunken, getrieben durch tiefe Energiepreise. Dieser Rückgang wird nun korrigiert und weckt neue Ängste. Eine Trendwende hin zu einem neuen Inflationsschub ist jedoch nicht zu erkennen. Hinzu kommen die geopolitischen Unsicherheiten, die mit der Ausweitung der Unruhen im Nahen Osten auf den Libanon, den Iran und auf das Rote Meer sowie mit den anstehenden Wahlen in Taiwan auch nicht beruhigend wirken.

An den fundamentalen Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte hat sich jedoch nichts verändert. Die Inflationsraten, gemessen an den Kernraten ohne die nicht kontrollierbaren Energiepreise, sind zwar immer noch hoch, aber die Zeichen der Entspannung mehren sich. Das gibt den Notenbanken den nötigen Spielraum, ihre Geldpolitik in den nächsten Monaten expansiver zu gestalten. Die Fed wird ab dem Sommer damit beginnen, die nicht konjunkturverträglich hohen Zinsen langsam auf ein neutraleres Niveau zu senken. Das gleiche gilt für die EZB, während die SNB noch länger mit Zinssenkungen zuwarten kann. Die Zinsen in der Schweiz sind m Vergleich zu den USA und der Eurozone tief. Die Zinsdifferenz zu diesen Währungsräumen ist im letzten Jahr deutlich gestiegen. Die SNB muss dadurch nicht sofort auf Zinssenkungen der Fed und der EZB reagieren. Gegen den starken Franken bringen tiefere Zinsen eh nicht viel. Die Zinsen werden überall später und weniger stark sinken als momentan erwartet, aber die Diskussion um Zinssenkungen wird anhalten und sich positiv auf die Aktien auswirken. Langsamer geht es mit den Zinsen auch, weil sich die US-Wirtschaft als robuster erweist als befürchtet. Sie wird zwar schwächer und die Industrie leidet auch in den USA. Von einer Rezession ist Amerika aber weit entfernt. Das wird die Erwartungen für die Gewinne der Unternehmen positiv beeinflussen.

Von den Kursrückgängen an den Aktienmärkten während der ersten Handelstage darf man sich nicht zu stark beeindrucken lassen. Im Gegenteil: Die Aktien verschiedener Firmen aus dem Technologiebereich oder der Industrie sind so stark gefallen, dass sich unerwartet gute Einstiegsmöglichkeiten bieten.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.07%, S&P500: +0.18%, Nasdaq: +0.09%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.23%, DAX: -0.14%, SMI: -0.34%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: geschlossen, HangSeng: -2.10%, S&P/ASX 200: -0.50%

Die Zinsen und vor allem die Zinserwartungen dominieren die Aktienmärkte weiterhin. Sinken diese, steigen die Kurse und umgekehrt. Der S&P 500 verlor letzte Woche 1.52%. Die europäischen Aktien sanken 1.28%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.09% abschloss.

Die konjunkturelle Lage rund um den Globus ist zum Jahresstart noch durchwachsen. Das hat aber durchaus auch positive Aspekte. Im Zuge einer schwächeren Konjunktur wird sich der Inflationstrend weiter in die richtige Richtung bewegen und tendenziell sinken. Im Zuge eines tieferen Inflationsdrucks nimmt die Planungssicherheit bei den Unternehmen zu und die Margen können sich stabilisieren. Beides ist für die Entwicklung an den Aktienmärkten grundsätzlich positiv. Am wichtigsten sind aber die Erwartungen der Märkte an die Notenbanken. Sinkende Inflation, schwächere Konjunkturentwicklung – diese Kombination wird die Notenbanken auf den Plan rufen. Nachdem sie in den letzten Jahren die Inflation bekämpfen mussten und ihre Zinsen schnell und stark erhöhten, hat der Wind nun definitiv gedreht. In diesem Jahr stehen die Zeichen auf „Zinssenkungen“ und das wird die Aktienmärkte positiv beeinflussen. Wir erwarten, dass im Vorfeld des Richtungswechsels die Aktienmärkte mit Kurssteigerungen auf die erwartete Geldpolitik reagieren werden.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.045%; DE: 2.156%; CH: 0.834%

Über den Erwartungen ausgefallene Konjunkturdaten und steigende Inflationsraten haben den Zinseuphorikern einen Dämpfer versetzt. Die Renditen der Obligationen mit längeren Laufzeiten sind deutlich angestiegen. Die Zinskurven sind aber immer noch zu invers.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8516
Euro in US-Dollar: 1.0941
Euro in Franken: 0.9317

Der US-Dollar konnte sich mit den steigenden Zinsen wieder etwas erholen. Zum Franken liegt er aber immer noch unter dem Niveau von vor Weihnachten. Das gleiche gilt für den Euro. Die Stärke des Frankens ist ungebrochen.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 72.73 pro Fass
Goldpreis: USD 2'031.82 pro Unze

Die Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten hat neuerliche Angebotsängste beim Erdöl geweckt und den Ölpreis steigen lassen. In der Vergangenheit sind solche Ängste rasch verflogen, wenn sich die negativen Schlagzeilen aus dem Nahen Osten reduziert haben. Das wird diesmal kaum anders sein.

Wirtschaft

USA: Non Farm Payrolls (Dezember) letzte: 173’000; erwartet: 175’000; aktuell: 216’000
USA: Arbeitslosenrate (Dezember) letzte: 3.7%; erwartet: 3.8%; aktuell: 3.7%

Die Zahl der neu geschaffenen Stellen ist in den USA im Dezember über den Erwartungen ausgefallen, zeigt aber ein zu positives Bild des Arbeitsmarktes. Die Beschäftigung insgesamt ist deutlich zurückgegangen und es wird schwieriger, nach einer Entlassung wieder einen neuen Job zu finden. Weiterhin überdurchschnittlich gross ist auf der anderen Seite der Zuwachs bei den Stundenlöhnen. Der Fed wird dieser Arbeitsmarkt für die Beurteilung der Konjunktur und bei der Gestaltung der Zinspolitik einiges an Hirnschmalz abverlangen.

Thomas Stucki

Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich