07. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht

Aktienmarkt handelte gestern richtungslos

Der Schweizer Aktienmarkt handelte gestern zunächst richtungslos, drehte aber am Nachmittag unterstützt von europaweit positiven Märkten in die Gewinnzone und schloss zuletzt moderat höher.

 Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.34%, SPI: +0.26%, SMIM: +0.33%

Der Schweizer Aktienmarkt handelte gestern zunächst richtungslos, drehte aber am Nachmittag unterstützt von europaweit positiven Märkten in die Gewinnzone und schloss zuletzt moderat höher. Dass das Kursplus beim SMI nicht noch deutlicher ausfiel, war auf die verhaltene Entwicklung der Schwergewichte zurückzuführen. Nestlé (-0.2%), Novartis (-0.2%) und Roche (-0.4%) gehörten zu den wenigen Tagesverlierern im Leitindex. Gefragt waren mit UBS (+1.6%), Richemont (+1.6%), Geberit (+1.7%) und Sika (+1.8%) unter anderem Finanzwerte und Zykliker. Daneben reihten sich mit Sonova (+1.1%) und Givaudan (+2.6%) auch zwei defensive Titel auf den vorderen Plätzen ein. Im breiten Markt sackten die Aktien von Ascom nach der gestrigen Gewinnwarnung um 22.4% ab. Der Spezialist für Spitalkommunikation musste wegen einer schwierigen Marktlage und Projektverzögerung das Umsatzziel für 2023 reduzieren und kündigte zudem den Abgang von Finanzchef Dominik Maurer an. Dies sorgte bei Anlegern und bei Analysten für negative Reaktionen und bei der Aktie für einen starken Verkaufsdruck. Die Dormakaba-Aktien (-8.2%) gaben nach einer Rating-Abstufung deutlich nach. Der Schliesstechnikspezialist kündigte am Dienstag überraschend einen Führungswechsel an. Der bisherige CEO Jim-Heng Lee stand nur rund zwei Jahre an der Spitze des Unternehmens und wird nun durch Till Reuter abgelöst, der zuvor das deutschen Unternehmen Kuka leitete. Dormakaba befindet sich seit längerem in einer Reorganisationsphase. Auf der anderen Seite des Tableaus zogen die Aktien von Docmorris um 10.2% an. Grund dafür war eine Empfehlung eines Brokers, der die Online-Apotheke zum Kauf empfiehlt.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.68%, DAX: +0.75%

Die europäischen Aktienmärkte knüpften gestern an den positiven Vortag an und schlossen deutlich höher. Weiterhin unterstützten Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Zentralbanken die Anlegerstimmung. Der EuroStoxx50 gewann 0.7% dazu. Der DAX kletterte um 0.8% nach oben und markierte damit erneut ein neues Rekordhoch. Aus Einzelaktiensicht stand gestern unter anderem Merck KGaA im Brennpunkt. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern musste bei einer fortgeschrittenen Wirksamkeitsstudie zu einem vielversprechenden Multiple Sklerose-Medikament einen Rückschlag vermelden, worauf die Aktie um 7.4% einbrach. Der Wirkstoff war von vielen Analysten als ein wichtiger Wachstumstreiber für das Pharmageschäft von Merck gesehen worden. Die VW-Aktien zogen um 5.4% an. Der Autobauer erhielt Rückenwind von positiven Nachrichten aus China, nachdem von VW beauftragte Prüfer in einem Werk keine Hinweise auf Zwangsarbeit fanden. Die Aktien von Tui sprangen nach einer Erhöhung des Jahresausblicks um 15.3% nach oben.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.19%, S&P500: -0.39%, Nasdaq: -0.58%

Die amerikanischen Aktienmärkte setzten zunächst ihren zuletzt eher richtungslosen Kurs fort, schlossen aber schliesslich mit Kursverlusten. Neuigkeiten vom Jobmarkt, wo zuletzt weniger neue Stellen geschaffen wurden als erwartet, sorgten zur Handelseröffnung noch für positive Stimmung. Der sich abkühlende Arbeitsmarkt spricht für eine weitere Abschwächung des Inflationsdrucks und unterstützt damit die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank. Im Tagesverlauf drehten die Kurse an der Wallstreet allerdings in die Verlustzone und der DowJones gab 0.2% nach. Der S&P500 büsste 0.4% ein, während der Nasdaq 0.6% tiefer schloss. Bei den Einzelwerten stand unter anderem Citigroup im Fokus. Die Grossbank rechnet im nächsten Jahr mit tieferen Kosten und kündigte für das laufende Quartal ein Aktienrückkaufprogramm von USD 500 Mio. an. Die Aktien legten um 2.5% zu.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre

USA: 4.180%; DE: 2.195%; CH: 0.650%

Die Kapitalmarktzinsen haben insbesondere bei den richtungsweisenden US-Staatsanleihen gestern eine kleine Gegenbewegung gemacht. Dies nachdem der 10-jährige Treasury fast unter 4.10% gefallen ist. Unterdessen erwarten die Marktteilnehmer mehrere Zinssenkungen im nächsten Jahr in den USA, bis Ende 2024 preist der Markt bereits 5 Schritte ein, so dass wir dann bei einem Leitzins von 4% notieren würden. Wir gehen auch von Zinssenkungen aus, allerding etwas weniger drastisch.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8753
Euro in US-Dollar: 1.0760
Euro in Franken: 0.9419

Der Euro tendierte gegenüber dem Schweizer Franken wieder schwächer und notiert aktuell fast auf einem Rekordtief. In den letzten Tagen hat sich die Gemeinschaftswährung deutlich abgeschwächt. Hintergrund dürften Marktspekulationen bezüglich Zinssenkungen in der Eurozone sein. Die Inflation ist in der Eurozone auf dem Rückzug und öffnet etwas mehr Raum für die EZB. Allerdings wäre das in unseren Augen noch etwas verfrüht.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 69.70 pro Fass
Goldpreis: USD 2'029.57 pro Unze

Am Ölmarkt notieren die Preise weiter schwächer. China, der weltweit grösste Importeur, importiert in den letzten Monaten immer weniger was entsprechend auf den Preis drückt. Hauptgrund dürfte die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Häusermarkt, sein.

Wirtschaft und Konjunktur

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Beat Schiffhauer

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
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Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
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