18. Januar 2024, Tägliche Marktsicht

Aktienmärkte von Zinssorgen belastet

Am Schweizer Aktienmarkt stehen heute die Umsatzzahlen von Richemont und Galenica im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.72%, SPI: -0.71%, SMIM: -0.83%

Der Schweizer Aktienmarkt verlor gestern klar an Terrain. Die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Notenbanken, welche die Kursrally Ende letzten Jahres angetrieben haben, werden zunehmend in Frage gestellt. Der SMI beendete den Handelstag 0.7% unter dem Vortagesniveau. 17 der 20 grosskapitalisierten Werte schlossen mit Kursverlusten. Am stärksten unter Druck standen die Aktien von Geberit (-4.9%). Der Sanitärtechnikspezialist erfüllte zwar mit seinen gestern vorgelegten Umsatzzahlen die Analystenerwartungen. Negativ aufgenommen wurden hingegen die Kommentare des Managements zum Ausblick auf das laufende Jahr 2024, bei dem Geberit unter anderem mit höheren Kosten als im Vorjahr rechnet. Ebenfalls deutlich unter Druck standen Zurich Insurance (-1.8%), Sika (-1.8%), Richemont (-2.4%), Swiss Life (-2.5%) und Lonza (-3.0%). Richemont wurde von durchzogenen Konjunkturzahlen aus China gebremst. An der Spitze des Tableaus gewannen die Aktien von Novartis +0.9% dazu. Dahinter gingen auch Sonova (+0.7%) und Kühne + Nagel (+0.2%) mit Kursavancen aus dem Handel. Bei Nestlé (-0.2%) hielten sich die Kursverluste dank den defensiven Qualitäten des Nahrungsmittelkonzerns in Grenzen. Das dritte Indexschwergicht Roche (-1.1%) schloss hingegen klar tiefer. Am breiten Markt fielen die Aktien von Julius Baer um 3.1%. Grund dafür waren neue Medienberichte im Zusammenhang mit dem Konkurs von Signa. Die Aktien von Meyer Burger brachen nach der Zahlenvorlage um 32% ein. Der Solarmodulhersteller hat erneut einen hohen Verlust geschrieben und kündigte die Schliessung des Werks in Deutschland an. Zudem benötigt das Unternehmen erneut neues Kapital. Unter den wenigen Gewinnern stiegen die Aktien von Straumann nach einer Ratingaufstufung durch einen Broker um 1.2% an.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.98%, DAX: -0.84%

Die europäischen Aktienmärkte knüpften gestern an die schwache Kursentwicklung der Vortage an und schlossen belastet durch Konjunktur- und Zinssorgen deutlich tiefer. Der EuroStoxx50 gab 1.0% nach, während der DAX um 0.8% zurückfiel. Auf Branchenstufe schlossen sämtliche Sektoren mit Kursverlusten. Am stärksten unter Druck standen Aktien aus den Bereichen Energie, Versorger, zyklischer Konsum und Immobilien. Am besten hielten sich Titel aus den Sektoren Kommunikationsdienste, IT und Gesundheit.

Aktienmärkte USA

DowJones: -0.25% S&P500: -0.56%, Nasdaq: -0.59%

An den US-Aktienmärkten blieben die Anleger gestern ebenfalls vorsichtig gestimmt und nahmen erneut Gewinne mit. Der DowJones schloss 0.3% tiefer, während der breiter gefasste S&P500 und der technologielastige Nasdaq jeweils um 0.6% nachgaben. Im Fokus standen unter anderem die Aktien von Apple, die 0.5% tiefer schlossen. Nach einer Patentklage eines Konkurrenten muss Apple die Blutsauerstoff-Messfunktion der Apple Watch ab sofort vor dem Verkauf deaktivieren. Unter den wenigen Gewinnern befanden sich die Aktien von Boeing (+1.3%), die nach dem Kurszerfall der letzten Woche wieder Käufer fanden. Der Flugzeughersteller informierte gestern darüber, dass die ersten 40 Inspektionen der 737-9 MAX Flugzeuge, die derzeit wegen des jüngsten Vorfalls bei Alaska Airlines am Boden bleiben müssen, abgeschlossen seien. Über die Ergebnisse der Inspektionen wird Boeing zu einem späteren Zeitpunkt informieren.

Unternehmensberichte

Richemont legte heute Morgen erste Eckdaten zum 3. Geschäftsquartal 2023 vor. Der Uhren- und Schmuckhersteller steigerten den Umsatz zwischen Oktober und Dezember 2023 um 4% auf EUR 5.6 Mrd. Bereinigt um Währungseinflüsse betrug der Umsatzanstieg 8% und übertraf damit die Analystenschätzungen, die von knapp 7% Wachstum ausgegangen waren. Das Wachstum schwächte sich damit im Vergleich zum verschobenen 1. Halbjahr erwartungsgemäss etwas ab. Zwischen April und September 2023 war Richemont währungsbereinigt noch mit 12% gewachsen. Am stärksten entwickelten sich der Absatz im 3. Quartal im Schmuckgeschäft, das ein Wachstum von 12% verzeichnete. Das Uhrengeschäft erreichte ein Wachstum von 3%. Regional wurde das Wachstum vor allem von der umsatzmässig grössten Region Asien-Pazifik (+13%) getragen. Der Absatz in Nord- und Südamerika stieg um 8%, während in Europa die Umsätze um 3% abnahmen. Gewinnzahlen publiziert Richemont erst wieder mit den Jahreszahlen im Mai 2024.

Galenica präsentierte heute Morgen die Umsatzzahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2023. Der Apothekenbetreiber steigerte den Umsatz um 4.4% auf CHF 3.75 Mrd. Damit konnte die eigene Vorgabe, die ein Wachstum zwischen 3% bis 6% veranschlagte, erreicht werden. Nachdem der Umsatz im 1. Halbjahr dank einer intensiven Grippesaison und vielen Covid-Erkrankungen um 5.5% gestiegen war, fiel das Wachstum im 2. Halbjahr mit 3.3% erwartungsgemäss etwas tiefer aus. Bei der Gewinnprognose für 2023 geht Galenica weiterhin von einem operativen Gewinn (EBIT) auf dem Vorjahresniveau aus. 2022 hatte Galenica einen EBIT von CHF 191 Mio. erreicht. Die Dividende für 2023 wird weiterhin mindestens auf dem Vorjahresniveau von CHF 2.20 pro Aktie erwartet. Mit den Umsatzzahlen bleibt Galenica leicht unter den Analystenerwartungen. Die detaillierten Geschäftszahlen werden am 12. März publiziert.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.085%; DE: 2.313%; CH: 0.813%

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Treasury hat gestern erneut zugelegt. Dass sich die US-Wirtschaft trotz hoher Zinsen weiterhin robust entwickelt, hat Spekulationen auf baldige Zinssenkung einen Dämpfer versetzt. Entsprechend haben Marktteilnehmende in den letzten Tagen die übertriebenen Erwartungen an Zinssenkungen der US-Notenbank teilweise korrigiert.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8640
Euro in US-Dollar: 1.0904
Euro in Franken: 0.9420

Der US-Dollar profitierte in den letzten Tagen von robusten Wirtschaftsdaten. Diese erweckten Zweifel an den vom Markt erwarteten raschen und starken Zinssenkungen der US-Notenbank. Die Aussichten, dass die US-Zinsen weniger schnell sinken werden als bisher erwartet, hat dem Greenback zuletzt Auftrieb verliehen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 73.16 pro Fass
Goldpreis: USD 2'012.17 pro Unze

Der Ölpreis stand gestern zunächst unter Druck. Die chinesische Wirtschaft ist im vierten Quartal weniger stark gewachsen als erwartet. Das schwache Wirtschaftswachstum des wichtigen Ölnachfragers lastete auf dem Ölpreis. Nachdem die am Nachmittag veröffentlichten Daten auf eine robuste Wirtschaftsentwicklung in den USA hinwiesen, konnte das schwarze Gold seine Verluste wettmachen.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Detailhandelsumsätze MoM (Dezember)
letzter: 0.3%; erwartet: 0.4%; aktuell: 0.6%

Der Umsatz im US-Detailhandel hat im Dezember stärker als erwartet zugelegt. Mit einem Plus von 0.3% gegenüber dem Vormonat ist der Umsatz so stark gestiegen wie seit 3 Monaten nicht mehr. Ohne die volatilen Autoverkäufe stieg der Umsatz um 0.4%. Den stärksten Anstieg konnte in Bereich Kleidung (+1.5%) verbucht werden. Weniger ausgegeben wurde unter anderem für die Gesundheit (-1.4%). Der Detailhandelsumsatz gilt als Indikator für den privaten Konsum, welcher in den USA als wichtige Stütze für die Wirtschaft gilt.

USA: Industrieproduktion MoM (Dezember)
letzter: 0.0%; erwartet: -0.1%; aktuell: 0.1%

Die Industrieproduktion hat in den USA zum Jahresende entgegen den Erwartungen zugenommen. Nachdem die Industrieproduktion im November stagnierte, nahm sie im Dezember um 0.1% zu. Die Kapazitätsauslastung in der US-Industrie lag im Dezember bei 78.6% und damit auf dem Niveau des Vormonates.

Matthias Müller

Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Céline Koster

Strategieanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich