19. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht

Aktienmärkte sind zum Wochenstart von Zurückhaltung geprägt

Der Zinsoptimismus an den Märkten ebbt etwas ab. Zudem drücken Gewinnmitnahmen auf die Aktienkurse. Der SMI beendet den Tag mit einem Rückgang von 0.3%.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.32%, SPI: -0.38%, SMIM: -0.79%

Der Schweizer Aktienmarkt startete mit Kursverlusten in die neue Woche und handelte dann über weite Strecken um die Nulllinie herum. Kurz vor Börsenschluss stiess er dann aber klar in den negativen Bereich vor. Der Leitindex SMI schloss schlussendlich 0.3% tiefer. Auch der auf mittelkapitalisierte Werte ausgerichtete SMIM musste am gestrigen Handelstag Federn lassen und gab 0.8% nach. Die Gewinnmitnahmen nach dem Rally seit November gingen somit weiter. Auch positive Signale aus den USA, wo der Leitindex Dow Jones im frühen Handel ein neues Rekordhoch erreichte, liessen den hiesigen Aktienmarkt kalt. Bei den 20 SMI-Werten standen sich 12 Kursverlierer und 7 Gewinner gegenüber. Swiss Life beendete den Tag unverändert. Insbesondere zyklische Werte standen zuoberst auf dem Verkaufszettel. Sika, Logitech, Holcim sowie Geberit gaben zwischen 1.9% und 2.5% nach. Nachdem diese Aktien in der letzten Woche teilweise deutlich zulegen konnten, litten sie zum Wochenstart unter Gewinnmitnahmen. Die Aktien von Richemont (-1.8%) verloren gestern ebenfalls deutlich an Wert. Der Luxusgüterkonzern vermeldete gestern die Aufhebung der Vereinbarung mit Farfetch gemeinsam eine Onlineplattform für Luxusgüter aufbauen zu wollen. Der Deal kommt nicht zustande, da der südkoreanische E-Commerce Anbieter Coupang Farfetch übernehmen und von der Börse dekotieren will. Als Stütze erwiesen sich gestern die beiden Pharmariesen Novartis (+0.6%) und Roche (+0.4%), während Nestlé (-0.03%) dagegen praktisch unverändert schloss. An der Tabellenspitze notierte Swisscom (+1.1%). Einerseits konnte das Telekomunternehmen von seinen defensiven Qualitäten profitieren, andererseits profitierte es von Nachrichten aus Italien, wo Vodafone und die französische Iliad die Geschäfte zusammenlegen. Der Markt zeigte sich erleichtert, dass Swisscom mit der Tochter Fastweb nicht am Deal beteiligt ist. Am breiten Markt legten die Aktien von Meyer Burger (+10.3%) nach den Kursverlusten von letzter Woche deutlich zu. ams-OSRAM (-5.4%) verlor gestern wie andere Apple-Zulieferer an Wert. Dies, nachdem China ankündigte, die iPhone-Einschränkung für Beamte sowie in staatsnahen Betrieben weiter einschränken zu wollen.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.62%, DAX: -0.60%

Die europäischen Aktienmärkte zeigten sich nach der starken Vorwoche von der zurückhaltenden Seite. Zudem sorgten Äusserungen von einer Vertreterin der US-Notenbank Fed für einen Dämpfer bei dem vom Markt erwarteten Zinsverlauf. Der länderübergreifende EuroStoxx50 sowie der deutsche DAX verloren je 0.6% an Wert, während der französische CAC40 und der spanische IBEX35 um jeweils 0.4% nachgaben. Entgegen dem Trend notierte der britische FTSE100 (+0.5%) etwas höher. Dieser profitierte von den im Leitindex stark gewichteten Öl- und Gasaktien, welche gestern gesucht waren. Dies, nachdem der Ölpreis wieder zulegen konnte. Grund dafür ist, dass BP (-1.1%) gestern mitteilte, den Transit durch das Rote Meer auszusetzen. Das ist eine Reaktion auf die jüngsten Angriffe auf die Schiffe in der Region von Jemen. Gesucht waren auch die Aktien von Vodafone (+3.4%), nachdem der französische Mobilfunkbetreiber Iliad bekannt gab, dass er sein italienisches Netz mit dem britischen Konkurrenten zusammenlegen will. Auf Sektorenebene waren insbesondere Energie und Gesundheit gesucht, während Technologie, Versorger und Zyklischer Konsum zu den Verlierern gehörten.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.00%, S&P500: +0.45%, Nasdaq: +0.62%

Auch an den amerikanischen Aktienmärkten zeigten sich die Marktteilenehmer eher von der zurückhaltenden Seite. Im frühen Handel konnte der Leitindex Dow Jones noch ein neues Rekordhoch erklimmen. Bis zum Handelsschluss gab er jedoch die Gewinne wieder ab und schloss unverändert. Der marktbreite S&P500 sowie der technologielastige Nasdaq verzeichneten hingegen Gewinne von 0.5% bzw. 0.6%. Auf Sektorenebene gehörten lediglich die Bereiche Immobilien sowie Versorger zu den Verlierern. Die grössten Gewinne verzeichneten die Sektoren Kommunikationsdienste, Basiskonsum, Zyklischer Konsum sowie Energie. Bei den Einzelwerten fielen die Aktien von US Steel auf, welche um 26.0% nach oben schnellten. Der grösste japanische Stahlkonzern Nippon Steel will den US-Rivalen für USD 55 je Aktie übernehmen.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 3.926%; DE: 2.076%; CH: 0.564%

Zum Wochenstart stieg die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen leicht. Sie notiert allerdings weiterhin unter der 4%-Marke. Grund für den jüngsten Anstieg ist unter anderem der gestiegene Ölpreis. Dieser hat Sorgen vor steigenden Konsumentenpreise geweckt.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8661
Euro in US-Dollar: 1.0927
Euro in Franken: 0.9464

Der Schweizer Franken tendierte am Montag höher. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage im roten Meer, war der Schweizer Franken gesucht. Entsprechend legte der Schweizer Franken sowohl gegen über dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar zu. Der Euro konnte trotz schwacher Konjunkturdaten aus Deutschland zum Greenback zulegen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 72.62 pro Fass
Goldpreis: USD 2'024.28 pro Unze

Der Ölpreis hat zum Wochenstart merklich zugelegt. Grund dafür sind Sorgen vor längeren Lieferzeiten. Der Energiekonzern BP setzt seine Öllieferungen durch den Suez Kanal vorerst aus. Grund dafür ist die verschlechterte Sicherheitslage im roten Meer. Angriffe der Huthi-Rebellen auf Schiffe, welche den Suez Kanal passierten, haben zuletzt zugenommen. Als Folge haben diverse Redereien entschieden diese Route vorerst zu meiden.

Wirtschaft und Konjunktur

Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex (Dezember)
letzter: 87.2; erwartet: 87.7; aktuell: 86.4

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend weiter eingetrübt. Im Dezember hat sich der Geschäftsklimaindex erstmals seit August verschlechtert. Die Unternehmen sind weniger zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage und haben ihre Erwartungen für das erste Halbjahr 2024 gesenkt. Einzig im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima leicht verbessert. Dahingegen hat sie sich im verarbeitenden Gewerbe und dem Baugewerbe weiter eingetrübt.

 

Anja Felder

Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Céline Koster

Strategieanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich