Im Fokus: Chinas Aktienmarkt taumelt – Droht die nächste Finanzkrise?

Das Platzen der chinesischen Aktienblase hat den Risikoappetit der Anleger weltweit weggefegt. Die Angst vor einer globalen Rezession hat ihren Platz eingenommen. Doch bei all dem Hin und Her bleibt eine zentrale Frage: Wie schlimm steht es um China?

Investment Talk zum Thema

8. September 2015

Anleger fokussieren auf China

Caroline Hilb Paraskevopoulos erklärt im Interview das Auf und Ab an den Aktienmärkten. Konjunkturdaten aus China sind nicht der einzige Grund.

Die Aktienkurse in Shanghai sind seit dem Sommer 2014 um 250% gestiegen. In der gleichen Zeit hat sich das Wachstum in der chinesischen Wirtschaft verlangsamt und Aussichten auf eine rasche Beschleunigung gibt es nicht. Dem Kursanstieg fehlte somit die wirtschaftliche Grundlage und er basierte auf einem reinen Spekulationsfieber. Kein Wunder, platzte diese Blase. Die Regierung versucht, mit allerlei guten und meist weniger guten Massnahmen, diesen Kurszerfall zu stoppen. Solange die Kurse aber immer noch weit über dem Stand des letzten Sommers sind, wird dies kaum möglich sein. Weitere Kursverluste von 20-25% in den nächsten Tagen und Wochen sind deshalb zu erwarten.

Was an der chinesischen Börse passiert, ist eine lokale Angelegenheit. Für die restliche Welt ist nur wichtig, ob dadurch die Wirtschaft in China in Mitleidenschaft gezogen wird. Offiziell wächst das BIP in China mit 7.0%. Zweifel darüber, ob dies der Realität entspricht, sind sicher angebracht. Schwache Export- und Importdaten, ein weniger stark ansteigender Energieverbrauch und stockende Autoverkäufe deuten darauf hin, dass zumindest im Moment das Wachstum weniger stark ist. Die Daten aus der chinesischen Wirtschaft sind aber nicht schlechter als vor ein paar Monaten, als dies die Weltmärkte nicht belastete. Zudem hat die Zentralbank noch genügend Spielraum, um mit Zinssenkungen positive Impulse zu geben. Im neuen 5- Jahres-Plan, der im Herbst bekanntgegeben wird, dürfte die Regierung zudem neue Investitionsprogramme ankündigen. Auch wenn das Land vorübergehend weniger als 7% wächst, bleibt es eine Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft.

Preise und Preiserwartung widerspiegeln zu einem grossen Teil nicht nur die momentane Nachfrage und das Angebot nach einem Gut, sondern auch die potenzielle Nachfrage und das Angebot in der Zukunft. Wächst die Nachfrage nicht wie gewohnt weiter, brechen die Preise ein. Minengesellschaften haben über die letzten Jahre enorme Produktionskapazitäten aufgebaut. Beispielsweise hat sich die Produktionskapazität australischer Eisenerzminen zwischen 2003 und 2015 rund vervierfacht. Brechen die Preise ein, versuchen die Firmen in einem ersten Schritt die Kosten herunterzufahren um die Margen zu halten. Sie werden aber nicht freiwillig die Produktion herunterfahren, sofern sie nicht ökonomisch dazu gezwungen werden. Sondern, um die Einnahmeausfälle zu kompensieren, sogar die Produktion zuerst ausweiten. Dies beschleunigt den Preiszerfall zusätzlich. Erst in einem zweiten Schritt werden die Unternehmen die Produktion drosseln. Eine nachhaltige Preiserholung setzt aber erst ein, wenn entweder die Nachfrage wieder anzieht oder aber die Firmen ihre Kapazitäten deutlich zurückgefahren haben. Zurzeit befinden wir uns aber nach dem Rohstoffboom der letzten Jahre in einem deutlichen Angebotsüberhang, welcher durchaus noch eine Weile bestehen kann. Somit kann eine Preissteigerung nur über eine Änderung der Nachfrage kommen.

Abwertung des Renminbis drückt Rohstoffnachfrage

Die jüngste Abwertung der chinesischen Währung drückt die Nachfrage nach Rohstoffen zusätzlich. Ein schwacher Renminbi bedeutet zwar tiefere Produktionskosten für chinesische Güter und stärkt somit deren Export. Gleichzeitig sinkt aber die Kaufkraft der chinesischen Firmen für importierte Rohstoffe und Vorleistungen. In Renminbi gerechnet ist jedes importierte Kilo Eisenerz nun 4–5% teurer als vor der Abwertung. Und es ist durchaus denkbar, dass der Renminbi noch weiter unter Druck gerät. Denn die chinesische Regierung benötigt Wirtschaftswachstum, um in der Bevölkerung für Ruhe zu sorgen. Aber es ist genau dieses Wachstum, welches in jüngster Zeit ins Stocken geraten ist. Weitere geldpolitische Massnahmen in Form von Zinssenkungen und Senkungen des Reservesatzes liesse die Währung weiter sinken und somit die Exportwirtschaft ankurbeln.

Produktionsexpansion Chinesisch Märkte

Übertriebene Kursverluste bieten oft neue Einstiegsmöglichkeiten in die Aktienmärkte. Das Vertrauen der Anleger ist aber noch stark angeschlagen und es braucht wenig, um erneute Turbulenzen an den Märkten zu entfachen. Wir empfehlen deshalb, Ruhe zu bewahren und die weitere Entwicklung an der Seitenlinie zu verfolgen. Wenn sich die Märkte während mehrerer Tage hintereinander ruhig zeigen und sich die Kurse nur wenig bewegen, werden sich im Börsentableau aber Aktien von Qualitätsfirmen finden lassen, die zu stark unter die Räder gekommen sind.